Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1926 (1927)
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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der Jaden forderten, mit ausweichenden ablenkenden Re- Skripten antwortete, schien ihnen unverantwortlich, ja gleichsam wie ein Angriff auf Christi Verdienst1). Schon zur Zeit als der Kampf zwischen Katholiken und Protestanten in Schlesien noch nicht seine volle Schärfe erreicht hatte, wurden in betreff der Juden Motive religiöser Unduldsamkeit stets in den Vordergrund geschoben2). Wie konnte sich nunmehr beim Einsetzen der schärfsten Reaktion der strenggläubige Kaiser solchen Gründen verschließen! Schließlich wurde der Widerstand der Hofkanzlei überwunden. Der Austreibungserlaß3) des Kaisers eröffnete den Pürsten und Ständen die Möglichkeit, den Juden ihre Heimat zu nehmen. Den Juden Schlesiens, die ״gäntzlich außer Lande geschafft44 werden sollten und in Zukunft nur noch auf offenen Jahrmärkten ihr Gewerbe treiben durften, wurde kaum Zeit wierdigen unserem fürsten Obristen Haubtmann in Ober- und Niederschlesien und lieben getreuen Martino Bischoff zu Breslau“ ״Mandate, den Wucher betreffend, zur Publikation, der Juden halber aber wollen wir dir hernach unsern gnedigen willen erklerung vund bescheidt in gnaden zukommen lassen.“ ף Am 12. Juli 1581 erneuerten die F. u. St. ihr ״Petitum mit dem beweglichen anhang.daß es eine unverantwortliche Sache sey, umb eines wenigen Geldes und Nutzens willen Gottes Ehr und Nahmen insonderheit des Herrn Christi Verdienst von diesen bösen Leuten den Juden bey und unter den Christen lästern und schmähen zu lassen“. 2) Welche Rolle der von der Kirche geschürte Glaubenshaß bei der Verfolgung der Juden in Schlesien gespielt hat, wie tief dieser Haß in den weitesten Schichten des Volkes eingewurzelt war, ist aus einer Klage der Stadt Oppeln v. J. 1568 zu ersehen. In einer Beschwerde an den Kaiser (unterschrieben von Bürgermeister, Rathmannen, Eldisten, Geschworenen und der ganzen Gemeinde der Stadt Oppeln) wegen der von den Christen für den Fiskus geforderten früheren Judensteuern wird geklagt: ״Vund ob nun wol dies alles, der Judenschafft allein, als frembdlingen vund haiden: Ja verstockten Widersachern vund Erbfeinden Christi vunsers heilands, seines göttlichen nahmens vund allein seligmachenden worts: So wol unsern allgemeinen christlichen heiligen glaubens, Zue einem ewig werenden gedechtnus vund beispiel Ihres Egiptischen Jochs, austriebs vund Verfolgung, auferlegett worden. So wird es doch nichts desto weniger jetziger Zeitt, nach dehm die Juden ausgezogen, von vuns Christen auch Ja allermaßen wie von der Judenschafft Jehrlichen Zu raichen begehrett.“ (Br. St.-A., Opp. Rat. II 13 a f. 6/7.) 3) Der Erlaß ist datiert vom 26. März 1582. (Abschr. d. Erlasses Br. Stadt A. A. 45,45 f. 268/69. Gedr. Publik, Breslau, 2. Mai 1582, ibd. lose Judenakt. NNN Klose). Weitere Publikation dieses Erlasses (6. Mai 1582 in Neisse) s. auch Brann a. a. O. S. 188 Anm. 3.