Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
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Volkes, bezeugt.. So erfahren die Wurzeln des Bestimmungsglaubens bei ihrer Uebernähme durch das Judentum eine erhebliehe Steigerung an. Anschaulichkeit und Bedeutung, und die Formeln gewinnen auch da, wo sie wörtlich übernommen werden, einen volleren und zugleich bestimmteren Klang; ja, das System wird geschlossener, indem alle seine Teile aus der gleichen metaphysischen Voraussetzung sich ergeben; zugleich erhöht sich die Sicherheit der Grundlehren dadurch, daß sie in der offenbarten Lehre eine Bestätigung zu finden scheinen. Andererseits schöpfen die Grundüberzeugungen des Juden, der Glaube an den weitordnenden Gott und an das von ihm gewollte Lebensziel, wissenschaftliche Begründung und Bekräftigung durch den Hinweis auf die unabhängig von der Offenbarung gewonnenen Beobachtungen und Gedankenreihen; ja, offenbart in antiker Sprach- und Denkform, gewinnen sie für das Mittelalter, soweit es methodisch und systematisch zu denken gewöhnt war, nicht nur Ueberzeugungskraft, sondern auch volle Lebensnähe erst durch die Einpassung in die Redeweise und auch das Weltbild der späteren Zeit. Diese Verwurzelung griechischer Pflanzen in jüdischem Gedankenboden, jüdischer in griechischem, derart, daß die Säfte der einen Kultur in die Zweige der anderen dringen und auf Farbe ünd Geschmack der Früchte wirken, diese merkwürdige Symphyse — nicht nur Synthese — beider Kulturen führte dazu, daß das Bestimmungsproblem im jüdischen Denken vielleicht poch beliebter wurde als im griechischen und daß die Antworten auf es als durchaus jüdisch empfunden wurden und — mit einem gewissen Recht empfunden werden durften. So ging es mit der Lehre vom Zahlenwerte der Buchstaben, die, so jung sie auf jüdischem Boden ist, derart verbreitet wurde, daß der neueste Bearbeiter1 das Kapitel, das er ihr widmet, mit dem (soll man sagen: jüdischen?) Worte Gematria überschreibt; so ging es der etymologischen Methode, die von der Stoa her auf Philon, von der Romantik auf (Isaak Bemays und) S. R. Hirsch wirkte, diesem aber in ihrer Anwendung auf die heilige Spräche der Bibel unendlich mehr bedeutet als einem Chateaubriand und Z. Werner2: wenn sie ihm zur Grundlage seiner gesamten Auffassung jüdischer Glaubens- und Pflichtenlehre ward und als jüdische, ja, als die eigentümlich jüdische Methode 1 Dornseiff, Das Alphabet 2 91 ff. * Nur je ein Beispiel: für Chateaubriand gehören Familienleben und Religion zusammen, weil la foi und le foyer Zusammenhängen, für Hirsch ist der Mensch (אדם) der Schemel (הדום) Gottes.