Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 115)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2720904-2721045--114-2726609
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

des Forschens empfunden wurde, so war das geschichtlich unberechtigt, da die Etymologie als Glaube, durch Aufdeckung ursprünglichen Sinnes zum Szufiov, zu allgemeiner Wahrheit zu gelangen, nicht auf jüdischem Boden erwachsen ist, aber sachlich voll begründet, da die neue Methode in der Weise, wie seine tief religiöse Natur sie handhabte, ihm den Gedankengehalt und das Sprachgewand des jüdischen Schrifttums doppelt wert machte. , In gleicher Weise müssen wir es verstehen und auch würdigen, wenn die Gedanken griechischer Philosophen, die auf das jüdische Mittelalter wirkten, nur zum kleinen Teile als fremd hingenommen wurden— selbst bei solchen Denkern, die, wie Crescas und Jehuda Hallevi, den ״Griechen" mit starkem Verdacht gegenüberstanden. Ganz wesentlich gefördert wurde diese volle Einbürgerung zahlreicher Philosopheme dadurch, daß die Kirnst orientalischer Uebersetzer alle Fachausdrücke der fremden Wissenschaft mit einer einzigen Ausnahme1 in der eigenen Sprache wiederzugeben verstand, so daß nicht nur die augenfälligste äußere Spur des fremden Ursprungs verwischt, sondern auch die Durchdringung der in der eigenen Sprache übernommenen Begriffe mit dem eigenen Sprachgeiste und der eigenen Denkweise möglich wurde. Und hierauf beruht es, daß Werke, die geschichtlich letztlich auf griechische Gedankenarbeit zurückgehen, aber doch aus jüdischer Seele geschrieben sind, weit über die Kreise der Freunde der Wissenschaft hinaus Leser gefunden haben, daß sich etwa an Bachjas Herzenspflichten noch heute Tausende schlichter Menschen erbauen, ja, daß solche griechische Weisheit, deren volle Einbürgerung dem Juden möglich war, auch in dife Dichtung verpflanzt werden konnte, daß in der Sabbatlyrik das Wort des Aristoteles ״das erste im Gedanken ist in der Ausführung das letzte* *‘2 seinen Platz gefunden hat und Gabirols ״Königskrone“ noch heute in zahlreichen Gotteshäusern in der heiligsten Nacht des Jahres gelesen wird. In echter Lyrik hat das echte Fremdwort keinen Raum — auch nicht der reine Fremdgedanke. Nur des innerlich Angeeigneten kann sie sich bemächtigen, gleichviel auf welchem geschichtlichem Boden es erwachsen ist. 1 ״Htj היולי; doch wird auch dieser Begriff gern arabisch oder hebräisch ausgedrückt. heißt nicht Philosoph, sondern steht für Aristoteles oder Aristoteliker. Daß der griechische Doppelsinn von Worten wie \0ןoc oder «dftoc durch die Uebersetzungen durchschimmert, ist zwar wichtig, aber hier nicht zu verfolgen. * סוף ממשה במחשבה תחלה in der zweiten Strophe des לבה דורי.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.