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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 113

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 113)
Language
German
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den Vorzug verdieneV und hqt dem Gegensatz zwischen seiner Verwerfung der Ethik des ״Mittelmaßes" zugunsten der Bescheidenheit1 2 und dem starken Ichgefühl, das aus seinen Briefen (wie aus Gabirols Lyrik) spricht, wirkt der Gegensatz der beiden Welten nach, die die Merkwelt unserer Denker bilden. — Es ist leicht zu erkennen, daß es sich an all diesen Punkten3 um weit mehr handelt als um Unterschiede der Dogmatik; vielmehr wird hier der Hellenismus eine Gefahr für die Grundhaltung—wenn nicht jeder Religion, so doch — der jüdischen Frömmigkeit; und es ist verständlich, daß er in den berührten Fragen eine tiefe und dauernde Wirkung auf das Judentum nicht hat ausüben können. Allein neben solchen Fällen der Gegenwirkung stehen höchst merkwürdigerweise wieder andere, in welchen griechische Begriffe bei ihrer Uebemahme durch das Judentum eine Umdeutung, zugleich aber etne Kräftigung erfahren haben. Und zwar gilt dies gerade von den drei uns bekannten Wurzeln der Bestimmungslehre. Der Glaube an einen ethischen Lebenssinn, der teleologische Schluß, der Versuch aus dem Wesen Gottes die Welt zu begreifen — sie alle haben für den Juden auf Grund seiner weit stärker persönlich gefaßten Gottesvorstellung etwas anderes, und zwar weit mehr bedeutet als für den Hellenen. Die Aufgabe, die Welt aus Gott zu verstehen, hatte für diesen stets eine gewisse Kühnheit : für den Juden gehörte das Streben nach solchem Verständnis zu den leitenden und selbstverständlichen Ideen seines religiösen Denkens; der Glaube an eine Lebensaufgabe hatte einen viel bestimmteren Sinn für ihn, der sich nach dem Anfänge eines sehr unphilosophischen Werkes ״tagtäglich aufraffen soll wie ein Löwe zum Dienste seines Schöpfers"4; und auch der teleologische Schluß, also der Hinweis auf die Spuren göttlicher Wirkung in der Natur, hatte besondere Eindringlichkeit für den Verehrer eines persönliehen Gottes, dessen Herrlichkeit die Himmel verkünden, aber auch die Geschichte der Menschheit, insbesondere des eigenen 1 *Einl. zu Abot VI. 2 M. Th. Deot II 3 (nach der Darstellung des!uscrn^-Gedankens): ״Es gibt Gesinnungen, bezüglich deren es verboten ist, den Mittelweg innezuhalten. So bezüglich des Hochmuts. Es genügt nicht, bescheiden zu sein: vielmehr soll man demütigen Herzens sein.“ 8 Gleiches gilt natürlich auch von der Frage nach dem Wunder und von manchen Fragen der Prophetologie. * Man halte neben diese ersten Worte des Schulchan aruch die S. 24 angeführte Stelle aus Kaiser Marcus, um die weit größere Bestimmtheit der jüdischen Forderung zu erkennen.

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