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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 112

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 112)
Language
German
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■ ■ ־• ״-* "«’־,;־־,^fi«,׳; '*:T75P*!?? ר Stadium der Ritualgesetze doch ,wahrlich nicht vernachlässigt hat, — wohl aber eine äußerst heilsame Gegenwirkung gegen eine Einseitigkeit nach der anderen Seite hin; also gegen die Gefahr, die jeder (zumal jeder verfolgten) Religion droht, Gott nur in Offenbarung, Geschichte und Pflichtenlehre der eigenen Gemeinschaft zu suchen. Bachjas ״Herzenspflichten“ und Gabirols ״Königskrone“ vertreten durchaus die Gesinnungsethik der Propheten und die Naturfrömmigkeit der Psalmen — in den1 Denkformen ihrer Zeit. Aber diese Auswahl hüben und drüben konnte natürlich nicht hindern, daß die beiden Welten an manchen Punkten einander geradezu entgegenwirkten. Jener ursprüngliche Gegensatz zwischen den beiden Formen der Vergeistigung bei Jeremia und Anaxagoras — der hüben zur Schätzung demütigschlichter Frömmigkeit, drüben zu dem kühnen Fluge methodischer Forschung führt — wirkte noch im Mittelalter nach, mußte nachwirken, da ja gerade die ältesten Urkunden das höchste Ansehen genossen und durch alle Umdeutung ihren ursprünglichen Sinn nicht völlig verlieren konnten. So kommt es zum Konflikt — nicht nur zwischen einzelnen Lehren griechisehen und jüdischen Ursprungs, sondern vor allem über die W e g e der Annäherung zu Gott, der sich gerade in der Bestimmungslehre geltend macht: die Rationalisten, Saadia und vor allem Maimuni, sehen in der Volksfrömmigkeit, zu der die Offenbarung führt, einen Philosophieersatz für die ewig Unmündigen, während Jehuda Hallevi die Philosophie als Religionssurrogat für religiös Unbegabte gelten läßt, wie es die Regeln der Poetik für dichterisch minder Veranlagte sind1; Crescas glaubt im religiösen Eros einen aus der Wissenschaft stammenden, aber das religiöse Empfinden voll befriedigenden höchsten Zielbegriff zu finden. Eine weitere Scheidung vollzieht sich in der Frage nach dem Verhältnis zwischen diesseitigem Tun und jenseitigem Ergehen: hier hat gerade Crescas den — auf dem Hellenismus beruhenden — Glauben an den natumotwendigen Zusammenhang, also an unsere Fähigkeit, das Jenseits zu erwerben, mit ganz besonderer Schärfe vertreten, während etwa Saadia, wie wir wissen, der religiösen Auffassung folgt, nach welcher Gottes Gerechtigkeit und vor allem seine Nachsicht das Urteil über uns spricht. Aber auch in Maimunis Frage, ob Guthandeln aus Neigung oder aus Selbstüberwindung 1 Kusari V 16.

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