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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 109

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 109)
Language
German
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IRI
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liehen Richters* 1, beruht. Auch hier kann es, wie in der Bibel, zwar natürlich zur Lehre von einer Aufgabe, aber nicht zur Annahme einer Zweckbestimmung in unserem strengen Sinne kommen, da nicht einzusehen ist, weshalb uns unsere Beschaffenheit mehr auf den Gehorsam als auf den Ungehorsam weisen soll. Alle jüdisch-mittelalterlichen Bestimmungslehren and daher, wie wir sahen, eschatologisch gefärbt und beruhen auf der Voraussetzung, daß der Mensch auf Grund seiner gottgegebenen Kräfte, wenn auch mit Gottes Beistand2, imstande ist, nicht nur einen gewissen Anspruch auf das Jenseits vpr Gottes Richterstuhl, sondern das Jenseits selbst zu gewinnen. Erst unter dieser Voraussetzung kann auch der teleologische Weg zur Bestimmungslehre beschritten und unsere Bestimmung in die Entfaltung der höchsten in uns gelegten Fähigkeit, der die anderen dienen, der Fähigkeit zur Gewinnung des Jenseits gesetzt werden. Die Erkenntnis, daß die gnostisch-eschatologische Wendung des griechischen Denkens für das Judentum kaum minder von Bedeutung geworden ist wie bekanntlich für das Christentum, führt notwendig zu der besonderen Frage, welche griechischen Systeme vorzugsweise auf die Lebensanschauung des jüdischen Mittelalters gewirkt haben. Man hat sie nur im Rahmen der allgemeinen Frage nach der Rezeption der griechischen Philosophie durch das Judentum gesehen; und da der Einfluß der aristotelischen Lehrschriften auf Logik und Grundbegriffe der Naturphilosophie, der der Enneaden auf die Weltbildungslehre nicht nur der Neuplatoniker auf der Hand liegt, hat man kurzer Hand den reifen Aristoteles und Plotin für die Lehrmeister des mittelalterlichen Judentums, auch auf dem Gebiete der Ideallehre, halten wollen. Die Schwierigkeiten, die sich aus der Stellung beider Denker zui\Religion ergaben — Aristoteles hat sich von der religiösen Haltung seiner Jugendjahre mehr und mehr losgelöst, Plotin ließ die Götter lieber zu sich kommen als daß er zu ihnen kam — hat man gefühlt und teils im Zusammenhang Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentum», Berlin, Schwetschke, 1923/24, 41) liegt ein sehr wesentlicher Unterschied zwischen ihm und Gazzali, der das Wissensstreben nur dann billigt, wenn sein Zweck ist ״Wegzehrung für das Jenseits zu gewinnen“, nicht aber ״sich seiner zu bedienen in seinem rasch vergänglichen Leben“ (Josef Hell, Die Religion des Islam I 78). 1 S. 0. S. 37. 2 S. 0. S. 49 über Gabirol und S. 77 über die göttliche Gnade nach Crescas. ♦

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