Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
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zeichnender Ausnahme Jehuda Hallevis1 die דעת י״י, welche die Bibel fordert, als ״Gotteserkenntnis “ im streng Wissenschaftliehen Sinne; wenn demgemäß Maimuni, anknüpfend an gelegentlieh es Lob der Metaphysik im Talmud, in seinem Idealbilde des ״Metaphysikers im Gebetmantel“2 religiöse und wissenschaftliche Hingabe verschmilzt, ist die Konvergenz vollendet: während sich in Griechenland das Ideal der Episteme gnostisch färbt, gewinnt im Judentum eine ursprünglich religiöse Zielsetzung Wissenschaft•״ liehe Bedeutung. Zu dieser höchst merkwürdigen Konvergenz trat nun aber die Wendung zur Eschatologie, die sich hüben und drüben vollzog. So alt in beiden Kulturen der Jenseitsglaube als solcher ist3, so lange hat es doch gedauert, bis die Auffassung des Diesseits als der Vorhalle zum Jenseits4 oder gar als des Kerkers, aus dem wir in die Freiheit der Ueberwelt treten5, auf die führenden Geister Einfluß gewann. Die Befestigung des eschatologischen Glaubens im späteren Altertum brachte abet nicht nur Ost und West einander erheblich näher, da das letzte Ziel des Strebens, die Erreichung der Seligkeit, nunmehr dasselbe war, sondern sie wurde auch für unser besonderes Problem, die Bestimmungslehre, von ausschlaggebender Bedeutung. Es ist kein Zufall, daß sich eine Bestimmungslehre im Judentum da nicht findet, wo entweder, wie bei Jehuda Hallevi, der eschatologische Sinn unseres irdischen Verhaltens ganz zurücktritt hinter der Aufgabe, im Diesseits •unter bestimmten geographisch-physiologischen Voraussetzungen ein religiöses Uebermenschentum zu entfalten6, oder aber, wie bei Saadia, unser Ergehen im Jenseits nicht als notwendige Folge und Fortsetzung des Diesseits erscheint, sondern auf einem ״Wunder“, auf dem freien Spruch des gött- 1 Kusari v 21 zu I Chr 28fi; dazu Bacher, Exegese der jüd. R81igions- Philosophen 10ל f. 2 Jess. hath. IV 13, v. 11. * Ueber das Judentum handelt zuletzt R. Kittel, Die hellenistische Mysterienreligion und das Alte Testament (1924) 84 ff.;dazu Heinemann MGWJ. 1925, 353. 4 Pirqe Abot IV 16. 6 Platon Phdn. 67 B; Cic. Lael. 14, Tusc. I 75, Rep. VI 14. Ueber diese Voraussetzungen vgl. meine gemeinverständliche Dar- Stellung ״Der Morgen“ I (1925) 9 ff. (Auch Abraham barChijja kennt diese Voraussetzungen und ist durch sie an der Aufstellung einer allgemeinmenschlichen Bestimmungslehre gehindert: הניון הנפש S 13, 11 ff. R.). Gerade in der ganz geringen Bedeutung der Eschatologie für Jehuda (D. H. Baneth, Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und