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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 105

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 105)
Language
German
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uns Maimunis Briefe und Gabirols Lyrik zeigten, nicht bloß erklügelt, sondern erlebt war, also zu jener Tiefe in Beziehung steht, auf welche die Religion wirkte. Hält man dies fest, so wird man den Anspruch, jüdische Ethik zu geben, den alle jüdischen Religionsphilosophen erhoben haben, keinesfalls als reine Täuschung anzusehen haben. Ihre ethischen Lehren, demgemäß auch ihre Formulierungen der Zweckbestimmung des Menschen, sind aus dem Zusammenwirken griechischer und jüdischer Bildung zu begreifen1. Und es genügt zu ihrem Verständnis nicht, von Fall zu Fall die umbildende Wirkung zu betonen, die (etwa bei Bachja oder Gabirol) das jüdische Empfinden übte. Vielmehr fordert das Problem ,als ganzes seine Betrachtung: wieso war im Mittelalter eine solche Synthese der von Haus aus erheblich verschiedenen Lebensziele der Juden und der Griechen möglich? Welcher g e s c h i c h 11 i c h e Wandel hat die1 beiden Kulturen einander soweit genähert, daß sie in fruchtbare Verbindung treten konnten? Und vor allem: da eine Entwicklung im naturwissenschaftlichen Sinn hier nicht stattgefunden hat und die jüngeren Formen nicht an die Stelle der älteren, sondern nur neben sie treten — wie konnten, systematisch und p s y c lfo 1 o - gisch gesehen, innerhalb derselben Denker griechische und jüdische Zielsetzungen nebeneinander und aufeinander wirken? Diese schwerwiegenden Fragen lassen sich offensichtlich nur dann lösen, wenn man die Gesamt Wirkung des Griechentums auf das jüdische Mittelalter im Auge behält. So werden wir an manchen Punkten über die Behandlung der Bestimmungslehre hinausgehen müssen, — soweit es unerläßlich scheint. Aber zur Aufrollung des Gesamtproblems ist hier natürlieh nicht der Ort; und es wird sich gelegentlich ergeben, daß die ,,Rezeption“ der hellenischen Bildung durch das Judentum durchaus keinen so einheitlichen Vorgang darstellt, wie man meist voraussetzt; die vorzugsweise Beleuchtung einzelner hellenischer Kraftlinien ist also durchaus berechtigt. Die Einwirkung der griechischen Ethik auf das Judentum vollzog sich unter ganz anderen Bedingungen als bei den anderen Religionen. Der Wegfall jeden Mittlerglaubens und jeder Neigung zu gewaltsamer Propaganda machte es für das Verwandte in der heidnischen Ethik unbefangener und empfänglicher als insbesondere das Christentum sein konnte; wenn Bachja in seinem überaus 1 Gleiches gilt natürlich von der islamischen und christlichen Ethik.

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