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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 104

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 104)
Language
German
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deutlich. Und die Bedeutung, die eine griechische Fragestellung und ihre griechischen Antworten für das jüdische Mittelalter gewonnen hat, beweist schlagend, wie völlig unmöglich es wäre, mit David N e u m a r k das philosophische Denken des Judentums vorwiegend als Weiterführung einer inner jüdischen Ent- Wicklung auffassen zu wollen. Aber nicht minder einseitig wäre es doch, die Bedeutung des Judentums für die letzten ethischen Zielsetzungen der mittelalterlichen Denker zu unterschätzen. Wir denken dabei nicht so sehr an die Bindung der Philosophen durch den Buchstaben eines autoritativen Schrifttums, die bekanntlich durch die Methoden mittelalterlicher Schrifterklärung sehr erheblich gelockert wurde, als an die Wirkung der Religion auf das Lebensgefühl selbst — in dem Sinne, wie sich, selbst im System Kants das puritanische Erbe geltend macht. Sogar Philon, der vom ganzen'jüdischen Schrifttum nur die Thora kennt und auch diese nicht in ihrem tatsächlichen Sinne auf sich wirken läßt, ist in seiner religiösen und — stärker als man erkannt hat1 — in seiner ethischen Einstellung durchaus vom Judentum beeinflußt; in weit höherem Grade gilt dqs von Männern, auf die nicht nur das gesamte biblisch-rabbinische Schrifttum, sondern die inzwischen erheblich gefestigten Ordnungen des religiösen Lebens wirken mußten. Besonders anschaulich wird Stärke und Riehtung dieses jüdischen Einflusses durch den Vergleich der jüdischen Ethik mit der islamischen, die unter genau denselben hellenischen Einflüssen steht. Wohl hat man manche islamische Schriften ohne viel Aenderungen einfach ins Hebräische übersetzen können und mit leichter Mühe die Koranzitate durch Bibel- oder Midraschstellen ersetzt. Allein das Zusammengehen hat seine Grenze; vergleicht man nicht nur bestimmte jüdische Schriftsteller (man denke etwa an Saadia oder Bachja) mit ihren arabischen Vorlagen, sondern das gesamte ethische Schrifttum des jüdischen Mittelalters mit dem islamischen, so wird deutlich, wie bewußt das Judentum die asketischen und ekstatischen Züge der Moslemin2 ausgeschieden hat. Mag man also eine Geschichte der Erkenntnislehre im Judentum schreiben können, ohne andere als hellenische Wurzeln des jüdischen Denkens zu erwähnen, so fordert die Behandlung eines Problems der Ethik gebieterisch die Beachtung der jüdischen Komponente, weil diese Ethik, wie 1 Vgl. Heine mann im Februarheft 1926 der Zeitschrift ״Der Morgen“. 2 Entsprechendes gilt vom Atomismus des Kalam.

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