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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 103

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 103)
Language
German
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IRI
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Menschen als ״denkenden Wesens“ und der transszendenten Teleologie, damit zusammenhängend aber zur Auffassung des Denkens als unseres ״Zweckes“ beigetragen. Während das biblische und das apokryphische Schrifttum kaum eine Spur einer Bestimmungslehre in unserem Sinne aufweisen und auf das mischnische und frühchristliche Schrifttum nur die mit ihr zusammenhängenden Forderungen der Selbsterkenntnis und deren nähere Ausführung von Einfluß waren, zeigen die jüdischen Denker des Mittelalters für eine wissenschaftliche Bestimmungslehre sehr starkes Interesse. Die Antworten beruhen sämtlich auf der Voraus- Setzung, daß der Zweck, zu dem Gott den Menschen geschaffen (oder auf die Erde niedergesandt) hat, in doppelter Richtung seinem Wesen entspricht: das Sehnen nach Glück, das in ihm liegt und rein eschatologisch aufgefaßt wird, bestimmt die Riehtung seines Strebens; seine Befähigung zum Denken und Handeln, die ihm Gott verliehen hat, bestimmt den Weg zu diesem Ziele. Innerhalb dieser gemeinsamen Anschauung werden vier Haupttypen erkennbar. Der hermetische Typus, vertreten durch Bachja, sieht den Zweck unserer Niedersen(lung darin, daß wir zu Wesen bevorzugter Art erhöht werden sollen; Erkenntnis unseres Geheimnisses, Gehorsam und Beharrlichkeit im Ausdulden läuternder Leiden führen zu diesem Ziele. Im Sinne des synkretistischen Neuplatonismus eines Porphyrios sieht vor allem Gabirol (ähnlich Israeli und Ibn Zaddik) unsere Bestimmung in der Gotteserkenntnis, die wir mit Hilfe der Selbsterkenntnis erlangen, und in kathartischen Tugenden; beide verbinden uns mit Gott. Der Aristotelismus, zu dem sich Ibn Daüd und namentlich Maimuni bekennen, begründet den Vorrang der Metaphysik weniger auf deren eschatologischen Wert als auf ihre Ueberlegenheit über die anderen ihr nur dienenden Wissenschaften; das rechte Tun hat seinen Wert darin, daß es der Vernunft entspricht und vor Störungen der Hingabe an die Wissenschaft bewahrt, nicht aber in unmittelbar erlösender Wifkung. Die platonisierende Lösung des Crescas sieht den Sinn des Daseins in der Entfaltung der Liebe, zu der uns die Uebung der göttlichen Gebote erziehen will; letzteren Gedanken sucht Albo mit dem aristotelischen zu kombinieren. So scheint eine durchlaufende Entwicklungslinie vom jungen Aristoteles bis zu den letzten Denkern des jüdischen Mittelalters zu führen, und auch.die besonderen Beziehungen der einzelnen jüdischen Denker zu bestimmten griechischen Systemen werden

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