Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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schaft und Religion — und zwar durchaus nicht nur der geschiehtliehen Religion, an der ihm zunächst gelegen Ist —, indem er in der Liebe einen für beide annehmbaren obersten Zielbegriff aufstellt und in geschickter Anknüpfung an die bedeutendsten Schöpfungen des wissenschaftlichen wie des religiösen Eros Weltbild und Glaubensbild diesem Zielbegriffe gemäß gestaltet; das Verdienst der ״Grundsätze“ liegt darin, daß sie das Recht der Wissenschaft hochhalten und die Differenzpunkte zwischen Judentum und Christentum eigenartig beleuchten; aber zu folgerichtiger Durchführung eines philosophischen Systems fehlte ihrem Verfasser — seinen Scharfsinn und seine homiletische Begabung in allen Ehren — doch die wissenschaftliche Kraft. Wenn auch unsere Belegsammlung gewiß der Ergänzung durch die Mitforscher beider Arbeitsgebiete bedürfen wird, so gestattet sie doch wohl bereits einen Ueberblick über die Geschichte unseres Problems in den uns angehenden Kulturkreisen. Die Frage nach der Zweckbestimmung des Menschen ist unter dem Einfluß der teleologischen Betrachtungsweise und des theoretischen Lebensideals des Anaxagoras im Schülerkreise des alternden Platon, beim jungen Aristoteles aufgetaucht. Nach ihm ist der Mensch zum Schauen, zu geistiger Betätigung, da. Während Aristoteles’ Interesse an der Frage abnahm, gewinnt sie in der Stoa neue Bedeutung im Zusammenhang mit der transszendenten Auffassung der Teleologie; schon die älteren Stoiker stellen neben das theoretische Ideal des Aristoteles das praktische; ihre Nachfolger setzen das Bestimmungsproblem zu der Frage nach dem Wesen des Menschen in Beziehung. Noch innerhalb der Stoa tauchen Bestrebungen auf, das theoretische wie das praktische Ideal vorwiegend in religiösem Sinne zu fassen, also als Verbindung mit Gott durch Erfassen des verwandten Göttlichen und als Reinhaltung der Seele. Zur vollen Entfaltung kommt diese Neigung aber erst im gnostisch-kathartischen Ideal des Neuplatonismus und der Hermetik; die letztere faßte die ethische Aufgabe geradezu als Gehorsam gegen Gott. Im übrigen schwankt das ausgehende Altertum zwischen einer vorwiegend theoretischen und einer vorwiegend praktischen Auffassung. Die Aristoteleskommentare bieten zwar sachlich nichts Neues, haben jedoch zum Durchbruch der Definition des