Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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Gesetzen im Gedanken an den göttlichen Gesetzgeber geübt werden (§ 28). Nicht völlig im Einklang mit diesen Ausführungen stehen einige Worte des IV. Buches, wo es im Zusammenhang mit der Vergeltungslehre folgendermaßen heißt1: ״Die Seele ist ein geistiges Wesen mit der Fähigkeit zur Erkenntnis, um Gott zu dienen, aber nicht (wie nach dem Vorhergehenden die Aristoteliker gelehrt haben) mit der Fähigkeit zur Erkenntnis schlechthin (da nach dem Vorhergehenden höchstens einer unter Tausend diese Erkenntnis erreicht). Folglich: wenn der Mensch irgendwelche Erkenntnis vom Gottesdienste erlangt, indem ihm eine Einsicht oder ein Wissen in bezug auf Gott zuteil wird, sei es groß oder gering,^so erlangt er hierdurch — ich meine: durch diese Erkenntnis vom Gottesdienste — eine höhere Stufe unter den Abstufungen im Jenseits/״ Zwar haben diese Ausführungen mit denen des III. Buches, auf welche sie ausdrücklich verweisen, gemein, daß die Vollkommenheit des Menschen in die Aktualisierung seiner Potentialität gesetzt und eine Kombination des philosophischen Ideals unserer Bestimmung zum Denken mit dem traditionell religiösen versucht wird. Aber abgesehen davon, daß im III. Buch die Potentialität des Menschen lange nicht mit der Schärfe erläutert wird wie im IV., ist das Verhältnis des wissenschaftlichintellektualistischen Elementes der Bestimmungslehre zu dem religiös-kultischen offenbar anders vorgestellt. Nach dem dritten Buche dient der Gottesdienst unserer geistigen Vervollkommnung; wieso das möglich ist, verstehen wir zwar nicht — aber das ist ja auch bei den Sternen und dem Einfluß, den ihre Bewegung auf sie selbst und die Sphärengeister ausüben soll, unerkennbar. Nach dem vierten Buch steht aber weit eher umgekehrt das Denken im Dienst des Gehorsams, der mindestens so sehr wie dieses selbst die Seligkeit zu verbürgen scheint. So erinnert Albos Theorie insofern an die des Crescas, als auch er die Thora als conditio sine qua non für die Erreichung des Lebenszieles hinzustellen sucht; daher ist auch der Zusammenhang, in dem das Problem bei beiden auftritt, der gleiche. In der Durchführung aber erweist sich Albos Behandlung nicht als Fortführung derjenigen des Crescas, sondern als Kontrast zu ihr: im ״Licht Gottes״‘ überbrückt ein selbständiger Denker die Kluft zwischen Wissen- 1 § 29 kurz nach der Mitte, übrigens von Schlesinger ganz ungenau übersetzt und in den scharfsinnigen Ausführungen des Kommentars ענפים zu III § 2 übersehen.