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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 99

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 99)
Language
German
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83 wesentlich der überaus traurigen Fügung, daß diesem bedeutenden Denker die Feder so früh entfiel, dürfte es zuzuschreiben sein, daß es eine jüdische Renaissancephilosophie nicht gegeben hat und daß die jüdischen Geistesverwandten des Platonismus ihre Lebensanschauung in der' Halbphilosophie der Kabbala zum Ausdruck gebracht haben. Weit unselbständiger istJosefAlbos Lösung. Im zweiten Kapitel seines dritten Buches entwickelt er den Gedanken, daß die Bestimmung des Menschen im Geistigen liegen müsse. Jedes Naturwesen hat einen auszeichnenden Wert (תכלית מיוחד), durch welchen es sich von anderen Wesen unterscheidet; und dieser Wert, der bei jeglicher Art sich findet, ist zugleich die Zweckursache für sein Dasein in dieser die Art kennzeichnenden Form. Da nun der Mensch zu den Naturwesen gehört, jedoch als daswürdigste, durch welches die Schöpfung ihre Vollendung erreichte, so muß es auch für ihn einen solchen eigenartigen Wert geben, welcher zu der seine Art bestimmenden Form in Beziehung steht. Er kann also nicht in der vegetativen und wah'mehmenden Kraft liegen, da sonst die Vollkommenheit und der Wert des Esels und des Schweines dem des Menschen gleich wäre; vielmehr muß diese Vollkommenheit in demjenigen liegen, worin er die Tiere übertrifft1. Da wir nun sehen, daß er — über das Vermögen der Tiere hinaus — Kraft und Anlage besitzt, die intelligibeln Wahrheiten zu empfangen, die Wissenschaften zu schaffen und sie von der Möglichkeit zur Verwirklichung zu führen, so muß die Vollkommenheit des Menschen von dieser Vernunftkraft abhängig sein. Da sich nun diese Kraft in ein theoretisches und ein praktisches Vermögen teilt, so scheint die Vollkommenheit des Menschen mehr in dem theoretischen als in dem praktischen Teile zu beruhen; denn dieser steht ja in Beziehung zu seiner natürlichen Beschaffenheit. Ueberdies wären sonst alle Gedanken, die nicht einem praktischen Zweck dienten, sinnlos; das aber stünde im Widerspruch zu unserer Beschaffenheit und zu der allgemeinen Ansicht, da alle darin übereinstimmen, daß der Denkarbeit ein Vorzug vor der Werkarbeit zukommt. Ferner ist unser Genuß um so größer, je vergeistigter seine Grundlage ist, also an Gesichts- und Gehöreindrücken größer als an solchen der niederen Sinne. Das liegt (wie in einem exegetischen Exkurs 1 Statt אבוחן אלצפיא (andere Lesarten in Schlesingers Ueber- Setzung) ist natürlich אכואן אלצ&א (arabische Bezeichnung der Lauteren Brüder von Basra) zu lesen.

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