Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
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70 teles, den wir höchstens erkennen, aber keinesfalls lieben können* 1, durch die schaffende Güte des platonischen Timaios und folgerecht das theoretische Lebensideal durch die Lehre von unserer Bestimmung zur Liebe. Das Neue dieser Wendung liegt natürlieh nicht darin, daß die Forderung der Liebe an uns gestellt wird. Sie nimmt im nichtphilosophischen Judentum — namentlieh in Anlehnung an das tägliche Bekenntnis Deut 65 und an die Deutung des Hohen Liedes — einen sehr hohen Rang ein; von den Philosophen widmet Bach ja ihr das letzte Buch seiner Herzenspflichten; Jehuda Hallevi sieht darin den Unterschied des Gottes der Religion von dem der Spekulation, daß wir jenen heben können, während zu diesem nur die Erkenntnis dringt2; Gabirol bezeichnet das höchste Wesen gern als ״Güte“3; Maimuni setzt bei dem Verehrer Gottes den ״Rausch der Liebe“ voraus4. Und. selbstredend kennt auch der Islam die Gottesliebe5 — nicht nur der Sufismus, dessen Wort ״wer Gott erkennt, hebt ihn“ Lehre vom Möglichen von Schaden für die Menge, die darin eine Rechtfertigung der Uebeltäter erblicken würde. Also hat nach ihm nicht nur die Thora, sondern auch jeder Philosoph die Verpflichtung, das Recht des Determinismus nur in vorsichtigster Form anzuerkennen. Seine eigene Ansicht läßt Grescas daher nur insofern durchschimmern, als nach ihm Gott uns züchtigt — nicht aus Rache, aber auch nicht, um der Gerechtigkeit zu genügen, sondern um (durch die Androhung) zu bessern, genau wie nach dem Deterministen Simmel. Lediglich die Gesinnung, nicht die Handlung, ist frei. Vgl. auch N e u m a r k a. a. O. S. 14. 1 Nach Nik. Eth. 1159 a 5 ist eine Liebe zu Gott ״wegen seiner völligen Andersartigkeit“ nicht möglich. 2 Kusari IV 16; II 50 u. ö. 3 Vgl. Bäumkers Index zum Fons vitae unter bonitas• 4 H. Tesch. X 3: ״Welches ist die rechte Liebe? Daß der Mensch Gott liebe mit derart großer und heftiger Liebe, daß seine Seele verknüpft ist durch die Gottesliebe und er durch sie in fortdauernden Wahnzustand gerät, wie ein Liebeskranker, dessen Sinn völlig befangen ist von der Liebe zu einer Frau, nach• der er sich wahnsinnig sehnt im Sitzen und Liegen, bei Speise und Trank; aber noch stärker sei die Liebe zu Gott im Herzen der von ständigem Liebeswahn zu ihnj Erfüllten, wie er uns befohlen hat: mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele; so sagt auch Salomo im Gleichnis: denn liebeskrank bin ich; und das ganze Hohelied ist ein Gleichnis hierauf.“ Dieser שונדי סאהבה entspricht wohl dem platonischen pepqv&Q epam; insofern liegt hier allerdings ein platonischer Einschlag vor; nur liegt Maimunis Platonismus in solchen Zügen der platonischen Lehre, die für Cohens Betrachtung Platons zurücktreten (vgl. Cohen in: Mose ben Maimon I 122 ff.). 5 Goldziher, Die Gottesliebe in der islamischen Theologie, Der Islam IX 143 ff. I