Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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78 ־ V Gott — ״immer nur das Gute schaffen “1. Unc^ auch dafür, daß der Mensch sich durch Liebe Gott annähert, hätte Crescas weniger zwar im More, wohl aber im Mischne Thora Belege finden können2. Dennoch bleibt zwischen der Anschauung beider Männer ein tiefer, von Crescas allem Anschein nach deutlich empfundener Unterschied. Der Gott Maimunis ist im wesentlichen doch der unbewegte Beweger des Aristoteles. Die Aktivität, die ihm Maimuni zuschreibt, ist in seinem Wesen nicht verwurzelt; nicht sie schafft ihm Seligkeit, sondern nur — wenn ihm auch ein Denken menschlicher Art nicht zuzuschreiben ist — ein theoretisches Verhalten3. Es bleibt aber natürlich völlig unerklärlich, wie ein so vorgestellter Gott durch seine Einwirkung auf die Welt oder durch ein bestimmtes Verhalten des Menschen irgend eine Befriedigung oder Genugtuung soll finden können; so gewiss also Maimuni an einen zielstrebigen Sinn des göttlichen Handelns glauben muß, so gewiß bleibt bei dem Versuch, die Schöpfung aus einem rein theoretischen Idealwesen zu erklären, eine notwendige Lücke (im Gegensatz zu Einzelheiten in Natur und Gesetzgebung, die sich möglicherweise durch den Fortschritt unserer Kenntnisse auf hellen könnten4). Diese Lücke wird aber doppelt empfindlich für die religiöse Betrachtung, die gerade an der Feststellung des Anteils Gottes am Menschen interessiert ist und sich überdies durch das — dem rationalistischen Gottesbilde analoge — Ideal der menschlichen Bestimmung zum reinen Denken kaum befriedigt fühlen kann. Hier mußte daher die Umbildung des Crescas einsetzen, der sich als den Anwalt des Judentums gegenüber dem ״Griechen“ und seinen mißgeleiteten Schülern fühlte, zugleich aber das Wissenschaftliehe Bedürfnis nach lückenloser und notwendiger. Ableitung allen Geschehens aus der letzten Ursache stark genug empfand, um es auch gegen das Interesse und die Ueberlieferung der Religion in der Frage nach der göttlichen5 und der menschlichen Willensfreiheit6 durchzusetzen. So ersetzt er den Nus des Aristo־ 1 *י More II ל Ende. 2 Belege im folgenden (S. 79,4). 3 Vgl. Crescas’ Polemik I 3, § 5. * 4 Einl. zum Mischnakomm. 52 oben; More III § 46 (383 der Uebers.). 5 Im Gegensatz zu Maimuni erklärt er, daß Gott dem zum Propheten Begabten auch die Gnade der Prophetie zuteil werden lassen müsse: II 4, § 4. * Ph. Blochs Ausführungen (Die Willensfreiheit von Chasdai Crescas 189ל) scheinen starker Modifikation zu bedürfen. Nach II 5, § 3 (bei Bloch S. 14 oben) wäre ein unverhohlenes Bekanntgeben der wahren