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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 91

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 91)
Language
German
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IRI
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75 wolle er zunächst den Zweck der Thora untersuchen1; denn darin weiß er sich der Zustimmung seines großen Vorgängers sicher, daß eine Schöpfung des göttlichen Verstandes noch weit gewisser als Menschen werk einen solchen Zweck haben muß. Während aber dieser kein Bedenken trägt, mehrere Zwecke der Thora anzuerkennen2, glaubt Crescas aus logischen Gründen, daß die vier Einzelziele — Läuterung der Einsicht, moralische Hebung, Heil im Diesseits und Jenseits — einem Gesamtziele dienen müssen, sei es mit einem der Einzelziele identisch oder nicht. Als solches Gesamtziel gilt ihm die Liebe des Menschen zu Gott. Ihr dient sowohl das Denken (das nicht in sich selbst oder in der Schaffung eines ,,erworbenen Nus“ seinen Sinn findet) wie auch das vorgeschriebene Tun, insbesondere die Heiligkeitsgesetze, die das Christentum sehr mit Unrecht als unverbindlich verwirft3. Und die Liebe, die aus rechtem Denken und Tun erwächst, führt notwendig4 zur Einigung mit Gott5, dessen Wesen Liebe und Freude am Wohltun (nicht Denken) ist6, dadurch aber 1 Or Ad. II 6. Vorwort. Das folgende nach II 6, § 1 f.; vgl. auch Joel, Cr.’ religionsphilosophische Lehren 55 ff. 2 More III 27. 3 בטול עקרי הנוצריים Ende des 9. Artikels S. 44 der alten (Salonikier?) Ausgabe (die neue von Deinhard scheint in Deutschland nicht vorhanden zu sein). 4 Or Ad. II 5,3 Mitte: ,,(Der Einwand, daß unter der Voraussetzung des Determinismus Lohn und Strafe ungerecht sind), bereitet keine Schwierigkeit; denn wenn Lohn und Strafe notwendig aus den Taten folgen, wie die Wirkung aus der Ursache, so können sie ebensowenig als ungerecht bezeichnet werden, wie es ungerecht ist, daß die Annäherung an das Feuer Verhrennung herbeiführt, auch wenn man sich ihm unfreiwillig genähert hat.“ Dass Crescas die deterministische Voraussetzung dieser Sätze teilt, wird S, 78,6 gezeigt werden. Eben in dieser notwendigen Beziehung zwischen Tat und Lohn liegt nach במול zu Art. I Anf. ein Vorzug des Judentums vor dem Christentum; selbst die Wirkung sakramentaler Einrichtungen im Judentum, wie Beschneidung und Priestersegen (Stellen bei Neu mark, Crescas and Spinoza, S. 17 f. des Sonderabdrucks), lassen sich ursächlich erklären. Ob freilich Crescas an letztere Wirkungen in vollem Umfang geglaubt hat (vgl. S. 78,6 über Rücksichten auf seine Leser), ist eine andere Frage. 6 Or Ad. S. 55 a 17 (Wiener Ausg.): ״einer der Früheren hat gelehrt* daß der Ursprung des Werdens die Liebe und die Sammlung, der Ursprung des Vergehens der Haß und die Trennung ist“. Natürlicn ist die Kenntnis des Empedokies, wie schon bei Isaak Israeli (Guttmann, Philosophie des I. 13,2), durch Aristoteles* Metaphysik vermittelt. 6 Vgl. I 3, § 5 über das Wesen der göttlichen Eudämonie.

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