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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 88

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 88)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721045--087-2726582
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72 seinszweck Israels in der Vorbereitung der Menschheit für den reinen Gottesdienst zu sehen1. Es bedeutet auch keine wesentliche Abweichung von der Lehre des Mischnakommentars, wenn im More2 vier Stufen der Vollkortimenheit aufgezählt werden (materiell, körperlich, moralisch, geistig-religiös), die beiden niederen also wenn auch als minderwertig, so doch nicht als Hindernis der höheren Stufen gelten, unter denen wiederum die intellektuelle noch stärker als dort über die moralisch-aktive hinausgehoben ist. Wohl aber scheint sich ein gewisser Wechsel der Anschauung in der berühmten Abhandlung des More über, den Zweck der Welt3 zu vollziehen. Zwar wird der Vergleich der Stellen durch die Verschiedenheit der Frage- Stellung erschwert: handelt es sich im Mischnakommentar darum, vor der wörtlichen Auffassung des Satzes, daß Gott in der Welt nichts zu eigen hat als die vier Ellen der Halacha, zu warnen und ein philosophisches Lebensziel aufzustellen, so prüft das philosophische Werk das Recht der Frage nach dem Sinn der Welt. Und insofern stimmen beide Abhandlungen überein, als auch nach der Jugendschrift der Mensch nicht als Zweckursache der gesamten Welt bezeichnet werden kann, während auch der More daran festhält, daß manche Dinge in der Natur um anderer willen geschaffen sind4 und in gewissem Sinn der Mensch als Zweck- Ursache der niederen Welt gelten kann5. Jedoch wird hier nicht nur die rein religiöse Formulierung der Bestimmung des Menschen zum Dienste Gottes abgewiesen6, sondern sein Dasein und Sosein ebenso wie das der gesamten Natur aus dem uns letztlich unerklärlichen Willen Gottes abgeleitet7; und auch 1 More III 41 (93a unten 333 der Uebers.). 2 More III 54, wo als Zweck des größten Teils der Gebote die moralische Vollkommenheit hingestellt wird. 3 III 13. 4 Aristoteles’ Ansicht über die Bestimmung der Pflanzen für die Tiere wird S. 23a oben und 25b (S. 85 bzw. 95 der Uebersetzung) zitiert. 6 Die Stelle lautet (23b 88 ־־־ der Uebers.): ,,Der Mensch ist offensichtlich das denkbar vollkommenste Produkt dieser Materie und das letzte und vollkommenste der zusammengesetzten Wesen. Wenn also gesagt wurde (JuJ>), daß die Wesen unter dem Monde seinetwegen existieren, so ist das unter diesem Gesichtspunkt richtig, ich meine, sofern die Bewegung der veränderlichen Dinge stattfindet um des Entstehens wegen, um zur möglichsten Vollkommenheit zu gelangen.“ e S. 24a b 89vff. der Uebers. Damit geschähe weder Gott ein Dienst, noch wäre damit eine ausreichende Begründung der Existenz des Menschen gegeben. 7 S. 24b 92 der Uebers.

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