Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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w nur angedeuteten Gedankens, also die Aufdeckung seines Glaubens an die Sonderstellung des Vorzugsmenschen, rückt Maimunis Lebensideal in ganz unerwartete Nähe zu den hermetisch beeinflußten Gedankengängen Bachjas, von denen die Rede war. Und das ist kein Zufall — so sicher Bachja, wie schon seine Unbefangenheit gegen den Kalam zeigt, vom echten Aristotelismus nicht berührt ist und Maimuni irgendwelche ernsthafte hermetische Schriften nicht gekannt hat1. Was hüben und drüben nachwirkt, ist in letzter Linie die Idee des göttlichen Menschen, die sowohl Aristoteles wie die Hermetik aus dem Platonismus und dessen Nachwirkungen übernahm2, des Menschen, 1 Vgl. sein verächtliches Urteil über die Hermetik More III 29. 2 Während Aristoteles zwar aus der Göttlichkeit des Nus den Wert der theoretischen Eudaimonie ableitet (s. 0.), erwähnt er den Begriff des Mo; av7}p nur nebenher Eth. Nik. IX 1 1145a 26. Dagegen ist Hermes X 24 wegen der Beziehungen zu Maimuni für uns von Interesse; nachdem hier auseinandergesetzt war, daß es nichts Göttlicheres gibt als den Nus und keine festere Einigung• zwischen Menschen und Göttern als durch ihn, heißt es weiter, daß er stumpfe Seelen verläßt: eine solche Seele hat also keinen Nus, und einen derartigen Menschen kann man nicht als Menschen bezeichnen (genau wie bei Maimuni); denn der Mensch ist ein göttliches Wesen und gehört nicht mit den Erdenwesen, sondern mit den Himmelsgöttern zusammen, ja, er ist ihnen sogar überlegen (Glosse: oder doch mindestens gleichgestellt). — Also: der Mensch ist, je nachdem er Nus hat oder nicht, entweder tierischer Untermensch oder göttlicher Uebermensch. (Ueber einen verwandten Gedanken des Boethios s. 0. S. 25, 2.) Die quellenkritische Behandlung dieser Vorstellung würde keine Anmerkung, sondern ein Buch erfordern. Die vorliegende Hermesstelle geht offensichtlich auf Poseidonios und seine Lehre vom Daimon zurück, dessen Befriedigung den Menschen zum eu?>at|A.ü)v, dessen Unterdrückung ihn zum xaxo&a1|u1)v macht (§ 23: dazu Heinemann, Poseid. met. Sehr. I 66 ff.); also wird man Recht haben, mit seinem Einfluß auf die Vorstellung vom 9-e10<; avüpancoc (Reitzenstein, Mysterienreligionen 12) zu rechnen; Poseidonios selbst knüpft an Platon, Mystik und Volksglauben an (Heinemann ebd. 106; R e i n h ä r d t, Poseidonios 401,1). Sein Einfluß auf die Lehre der Araber vom höheren Menschen kann nicht nur durch die Neuplatoniker vermittelt sein, sondern auch durch Galen, auf den sich Farabi für die scharfe Scheidüng der Erlesenen von den Dutzendmenschen beruft ( Goldziher, Le livre d’Ibn Toumert 4ל). Daß Maimuni den aristokratischen Zug seiner Lebensauffassung Männern wie Farabi, Ibn Sina und Ibn Baddscha verdankt, ist längst erkannt (Munk, Le güide III 438, 4; Cassel, Das Buch Kusari 25, 2; De Boer, Philosophie im Islam 128 f.); sehr nahe kommen auch Ausführungen der Lauteren Brüder IV 189 Bomb, (übersetzt bei Goldziher, Richtungen der Koranauslegung 191 ff.), wo den Auserlesenen Erhöhung zum Range der Engel und Erlösung von der Hyle verheißen wird; natürlich ist mit Einflüssen der volkstümlichen