Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 84)
- Language
- German
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Gegensätze1; und der Wert des Denkens liegt für ihn nicht in der Befriedigung, die es uns gewährt, sondern, wie er hier andeutet2 und in seinem More offen ausspricht, darin, daß es den leidenden Nus erst bildet und uns durch die untrennbare Verbindung zwischen ihm und dem wirkenden Nus zu besonderer göttlicher Fürsorge im Diesseits und zur Seligkeit im Jenseits verhilft3. Während also Aristoteles durchaus von der diesseitigen Eudaimonie ausgeht4, das theoretische Ideal nur insofern göttlich nennt, als der Nus göttlich ist5, aber nicht, weil es uns irgendwie mit der Allgottheit verknüpft, und von irgendwelcher Seligkeit nach dem Tode nichts weiß, demgemäß natürlich der Gesundheit und dem Schicksal höhe Bedeutung für die Eudaimonie zuspricht, sieht Maimuni die Eudaimonie nicht sowohl im Sinne der Religion, als in dem einer metaphysischen Ersatzreligion6, die durch das Zurückdrängen der sinnlichen Erkenntnis gegenüber der übersinnlichen, ja, durch die Verdächtigung des Körpers als Feindes des Geistigen7 ihren neuplatonischen Einschlag verrät; in der Tat scheint er sich auf eine unter Aristoteles' Namen gehende neuplatonische Schrift8 zu berufen. Höchst merkwürdig aber ist, wie scharf Maimuni im letzten Teile der Abhandlung die Grenzlinie zwischen den denkenden und den nichtdenkenden Menschen zieht. Er ist sich freilich bewußt, daß der Leser aus den 1 Er stellt sie einander gegenüber S. 53, ל v. u.; 54, 3 f. 2 Vgl. S. 53, 15. 3 Die bekannten Belege etwa bei L. G. L4vy, Maimonide 106 f. Daher auch hier die Forderung der ,,Abbildung“ der Intelligibilien; vgl. über jyaצ Bardenhewer, Hermes 148 ff. 4 Vgl. Nik. Eth. I 11 1100a. Im Eudemos hatte er bekanntlich den Jenseitsglauben gebilligt; inwieweit etwa Bruchstücke aus den Jugend- Schriften auf das Mittelalter gewirkt haben können, bedarf jetzt, nachdem wir deren abweichenden Standpunkt kennen, dringend der Untersuchung. 6 Nik. Eth. X ל l^a 12 ff. 6 Religiös gewendet wird die Wertung des Denkens im Mischne Thora (Jess. hath. IV 12): Schauen führt zur Gottesliebe. 7 S. unten (S. 71). 8 Das Zitat aus dem ״berühmten Philosophen“, daß Gott von uns nur will, daß wir verständig und gut seien (54, 4 ff.), wird schwerlich auf eine echte Aristotelesstelle zurückgehen, wiewohl ja M., wie wir wissen, auch den Begriff des ״Werkes “bei Aristoteles als Aufgabe versteht (s. S. 62). Dagegen entspricht unserem Zusammenhang der Satz, daß unser Glück auf Denken und Handeln beruhe, den Albo (Ikkarim Einl. Anf.) in ״Aristoteles’Werk Ueber die Seele“ fand: natürlich in einem untergeschobenen (über solche vgl. Loewenthal, Ar. über die Seele 22, 3; andere Auffassungen bei Tänzer, Rel.-Phil. Albos 52, 1).