Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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seinen Zusammenhang mit dem Denken fordert. In dieser rationalistischen Grundauffassung schließt sich Maimuni willig und aus tiefster Ueberzeugung an sein hellenisches Vorbild an. Aber außerordentlich lehrreich sind die Unterschiede, in die uns unsere Stelle hineinblicken läßt. Sie sind zunächst solche der Denkt e c h n i k. Aristoteles״ an der Wirklichkeit haftender Blick geht von dem Bilde des lebendigen Menschen aus: zu einer Definition des Menschen sah er in den ethischen Schriften keine Veranlassung1; für Maimuni dagegen bilden die Definitionen des Menschen und der Wissenschaft, die er in den Kommentaren fand, die Pfeiler des Gedankenbaues, zwischen denen er die Begriffspaare Substanz und Accidens, Dynamis und Energeia hin und her spielen läßt. Aber wie die scholastische Denktechnik den hellenischen Zug zur Abstraktion einseitig weiterführt, der zu Aristoteles״ Zeit und gerade in seiner Person durch die Freude am Schauen des Sinnfälligen Ergänzung fand, so läßt auch der Inhalt der Definitionen — anknüpfend an einzelne Stellen aus Aristoteles, und doch in tiefem grundsätzlichem Gegensatz gerade zu der Entwicklung seiner späteren Mannesjahre — den abstrakten Sinn der wissenschaftlichen Arbeit und des Lebens überstark hervortreten: der Mensch ist das denkende Wesen, Denken ist abstraktes Denken wie die Metaphysik es übt — also ist nur der Metaphysiker eigentlich Mensch zu nennen, während doch für Aristoteles das Denken den Menschen über das Menschliche heraushebt und der Einwand sich erheben kann, ob wir nach solcher Göttemähe überhaupt streben dürfen2. Macht sich aber in dieser ausschließlichen Schätzung metaphysisch abstrakter Erkenntnis wohl ein neuplatonischer Zug geltend, so wirken neuplatonisch-eschatologische Vorstellungen noch bestimmter auf die Auffassung der wissenschaftlichen Arbeit. Für Aristoteles sind Forschen und Handeln Spielarten der Energie; gerade die theoretische Energie ist grundlegend für unser Glücksgefühl (Nik. Eth. X 7); die arabische Antithese von ‘ihn und 'amal (Wissenschaft und Tat) besitzt hier keine Schärfe: man ‘alima, ‘amila (wer forscht, wirkt), würde Aristoteles gesagt haben. Anders bei Maimuni. Zwar hat auch er die Freude des echten Forschers gekannt und auch — im Gegensatz zu Ibn Zaddik — jene Definition der Weisheit als ״Annäherung an Gott“ abgelehnt. Für seine Theorie aber sind ‘Um und ‘amal durchaus % 1 S. die ausführliche Behandlung oben S. 33,2. 2 Nik. Eth. X 7 =f 1177b unten.