Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2721045--076-2726571- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
l<f.^ ,,., . -־'■־''' ‘ \; : 6t ־־ü- - Schriften entbehren, da ja das Ziel der Philosophie nur die Tat sei. Es überwiegt also durchaus das rationale Element gegenüber dem eschatologischen, das nur in dem aus Gazzali entnommenen Vergleich etwas durchschimmert; und daß das wissenschaftliche Denken unsere Bestimmung ausmacht, wird nicht mittelbar aus seiner Bedeutung für unsere Seligkeit, sondern aus seinem inneren Werte erwiesen. Freilich ist die teleologische Methode, wie sie hier zur Anwendung kommt, nicht eigentlich aristotelisch, sondern, wie wir wissen1, erst im späteren Peripatos und in der Stoa entwickelt worden; Aristoteles hat auch für das empirische Wissen weit mehr Interesse gezeigt, als bei Ibn Daüd hervortritt. Aber die Entwertung der Enkyklia zugunsten einer religiös aufgefaßten Philosophie hatte in der jüngeren Stoa bereits ihren Anfang genommen2; und wie im allgemeinen der Zug des mittelalterlichen Denkens, so mag Ibn Daüds persönliche Veranlagung, ihr entgegengekommen sei. Der Anteil der Persönlichkeit Ibn Daüds an seiner Stellungnähme wird noch deutlicher durch die Gegenüberstellung des aus gleichen philosophischen Quellen schöpfenden, aber persönlich grundverschiedenen lose Maimuni (1135—1204). Er hat die Frage der Bestimmung des Menschen zweimal behandelt: als Jüngling in der Einleitung zum Mischnakommentar, als gereifter Mann in seinem philosophischen Hauptwerk. Die Darstellung der ersten Schrift3 bildet einen der bedeutenden Exkurse, an denen der Mischnakommentar — dieser erste Versuch, ein Werk der Halacha philosophisch auszulegen — reich ist; den Anlaß dazu schafft sich der Schriftsteiler durch die Erwähnung des rabbinischen Ausspruches, daß ״Gott in seiner Welt nichts zu eigen habe als die vier Ellen der Halacha“. So sehr dieser in seinem Wortsinn der Anschauung der Wissenschaft widerstrebt (sind doch die Fragen der Halacha unbedeutend neben denen der Metaphysik4), so tief und wahr erscheint sein Sinn, wenn man bei den Rabbinen die philosophische, nach Maimuni bereits von der Bibel durchgeführte Anschauung 1 S. 0 S. 12. 2 Einiges bei Heinemann, Poseidonios’ metaphysische Schriften I 76. 3 Ich zitiere nach Hamburgers Ausgabe (S. 50 ff.) und habe auch die von ihm verbesserte hebräische Uebersetzung des Charisi benutzt, bin aber mehrfach von ihr abgewichen. 4 Mischne Thora Jess. hath. 4, 13.