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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 74

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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universale Existenz zu erkennen, and erst recht die Wissenschaft von der hochgepriesenen ersten Substanz; und die Handlung, die hieraus folgt, ist die selbstlose sittliche Tat: während die anderen aus Gewinn- oder Herrschsucht gut handeln, liebt der Philosoph das Gute um des Guten willen; denn er strebt danach, zu der wahren Einheit zu gelangen; und die wahre Einheit und das wahre Gute sind, wie der Philosoph1 oft gelehrt hat, identisch; dies ist also Grundlage und Quell des guten Handelns. Nachdem die Pflicht, Gottes Wege nachzuahmen, aus Bibelstellen belegt ist, wird als zweite wichtige Grundlage die Gerechtigkeit bezeichnet, auf welche die Weisheit hinweist; diese weisen auf die weiteren ״Grundlagen“ des Gottvertrauens und der Demut; und es gibt keine Eigenschaften der weisen Seele, die nicht in diesen vier enthalten wären. So ist8 denn die Aufgabe der Philosophie die Erkenntnis des Schöpfers als des wahren, einen, ewigen, gerechten, wohltätigen und gnadenreichen Gottes; aber die Frucht der Philosophie und die Handlung, die sich aus ihr ergibt und über sie Zeugnis ablegt, ist möglichste Angleichung an sein Wirken; und hierfür werden wir den verheißenen Lohn empfangen. Diese Lehren stellen den Versuch dar, die rationalistische, an die Eigenart des Menschen anknüpfende Bestimmungslehre des Peripatos derart eschatologisch umzubilden, daß im Wortlaut der Rationalismus, in der Sache die Eschatologie sich durchsetzt. Zwar ist — in deutlichem Gegensatz zu Bach ja — unsere Bestimmung in die Wissenschaft gesetzt, die auch hier, wie bei Gabirol (nach stoischem Vorbild), von der Selbsterkenntnis ausgeht3. Aber nicht allein, daß hier, wie ja auch bei Gabirol, Wissenschaft und Tat (schon hienieden) ״aus der Fron der Natur befreien“4: die Wissenschaft erhält bereits in den einleitenden Bemerkungen6 ausschließlich religiösen Sinn; sie wird nicht, wie bei Gabirol, mit den peripatetisierenden Aristoteleskommentatoren als Erfassung der Dinge nach ihrem Wesen, sondern mit den Platonikern6 als bjioiwoit; ftew aufgefaßt; und, wenn auch der Vorzug des Denkens anerkannt wird7, so wird doch unsere wissenschaftliche Bestimmung nicht hieraus abgeleitet, sondern ausschließlich aus dem eschatologischen Nutzen,' den die Wissenschaft durch das Mittelglied der ethischen Läuterung spendet. 1 Pseudoaristoteles De causis S. 98 ( Horovi t z, Einl. VI), *68,3 «. * * S. 2, 7 «. u. ö. 4 S. 66, 20. * S. 1, 12 ff. * Vgl. die Definition der Philosophie nach Ammonios Isag. in Porph. 3,8 f. (und anderen Kommentatoren) 6|to׳'u>at<; Oeiji xazd xö Suvaröv dvfrpäjttj). ’ S. 3, 6 ff.

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