Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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•־ ״״ \״ייי< 57 Gabirols Gesinnungsverwandter Josef ibn Z a d d i k erklärt unzweideutig: ״der Mensch ist um der Weisheit willen erschaffen worden"* 1. Wie weit aber dieser Standpunkt von dem des Aristoteles entfernt ist, erhellt zunächst aus dem Zusatz, die sinnlichen (oder, wie Josef sie nach Plotin mit Gabirol nennt, die ״primären"2) Substanzen und Akzidenzien seien ihm nur eingeprägt worden, damit er durch diese, deren Existenz ihm leicht erkennbar sei, zur Erkenntnis der geistigen (״sekundären") gelange : Wert hat also nur die Wissenschaft vom Uebersinnliehen; der Hinweis auf den relativen Wert der Sinneserkenntnis könnte damit Zusammenhängen, daß Josef nicht nur die Zweck- Ursache unserer Existenz, sondern auch die unseres Erdenwallens bestimmen will3 — wie Gabirol in der ״Königskrone". Jedenfalls wird die Weisheit auf das Wissen um das Uebersinnliche beschränkt. Aber auch in dieser — der Religion natürlich etheblich näherkommenden — Beschränkung ist sie nicht etwa Selbstzweck. Dehn der Mensch ist nach dem folgenden Beweise für die obige Behauptung nur geschaffen, um der Wonnen der zukünftigen Welt teilhaftig zu werden; der Weg hierzu führt aber durch die Tat (d. h. durch den Dienst Gottes, wie Josef anscheinend zu dem Auszug aus seiner Quelle hinzufügt); und da der Weg zur Tat nur durch die Weisheit führt, so ist sie die Ursache seiner Erschaffung. Daß aber die Weisheit die Quelle der guten Tat ist, daß wir also die gesetzlichen Handlungen der Ungläubigen auf Schwäche der animalischen Seele zurückführen müssen4, erweist die folgende Erläuterung: um der Weisheit willen erfassen wir die ewigen universalen Substanzen, um die lehre wird hieraus nicht abgeleitet; als Anlaß für unser Streben nach Wiedervereinigung erscheint in der Einl. zu Kohelet (bei Orschansky, Abraham ibn Esra als Philosoph, 1900, 30 nur unvollständig mitgeteilt) das Sehnen des Gefangenen nach Freiheit. 1 Mikrokosmos 66, 22 ff. Horovitz. 2 Vgl. Plotin Enn. VI, 3, 9 (handschriftliche Bemerkung von S. Horovitz); Gabirol, Fons vitae II 11, V13; 52; 65; G u 11 m a n n, Gabirol S. 43, 88 und 258; D 0 c t o r , Die Philosophie des Josef ibn Zaddik 17, 25; ferner über Ibn Sina De Boer, Philosophie im Islam 122. 8 Material über die Frage unseres Niedersteigens (s. o. S. 00) bef S. Horovitz, Psychologie 198 f. und Goldziher, Abh. Gott. Ges. IX 47* ff. Besonders nahe kommt Josefs Lösungsversuch dem des Josef ibn Aqnin ebd. 48*. Natürlich betonten die Gegner der Präexistenz die Schwierigkeit der Frage; vgl. Abraham ibn Daüd, Emuna rama 32 oben; Guttmann, Philosophie des Ibn Daüd 102 ff., der auf Ibn Sina verweist. 4 Das hatte der Schriftsteller S. 66, 4 ff. behauptet.