Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721045--066-2726561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kennenden׳ Seele, und deren geheime und offenbare Kräfte unsere Bestimmung zum Erkennen1. —Nun müßten wir freilich, meint der Schüler2, die Fortdauer der Seele untersuchen, ferner, was in ihr die Erkenntnis wirkt, die sie erkennt, und welche Erkenntnisse in ihr nach ihrer Trennung vom Körper verbleiben, welche nicht. Aber diese Untersuchungen gehören nicht hierher, sondern in die Psychologie; jetzt muß ich fragen, was für eine Erkenntnis es ist, derentwegen der Mensch geschaffen ist. Die Erkenntnis aller Dinge gemäß ihrem Wesen3, antwortet der Lehrer, insbesondere die Erkenntnis der ersten Substanz, die ihn trägt und bewegt; freilich ist uns letztere Erkenntnis nicht als Wesenserkenntnis, sondern nur aus den Wirkungen möglich, da das erste Wesen uns ganz unähnlich und unbegrenzt ist. — Dieser Zielsetzung entspricht im wesentlichen der Schluß des Werkes, wo -י— freilich ohne Erwähnung einer gottgesetzten Bestimmung — der Aufstieg in die Welt des Geistes und von hier in die Welt der Gottheit gefordert wird, der die Befreiung vom Tode und die Verbindung mit der Quelle des Lebens verbürgt, aber nur durch Lösung von der Sinnenwelt und Versenkung in die intelligiblen Dinge gelingen kann4. Man hat diese Gedankengänge dahin verstehen wollen, daß Gabirol die Frage aufwerfe, weshalb der Mensch nicht im Jenseits geblieben, sondern auf die Erde versetzt worden sei; natürlieh hat man dem Denker den Vorwurf nicht ersparen können, daß er ״die Frage nicht beantwortet5“. Dieser Irrtum hängt damit zusammen, daß man die neuplatonischen Züge bei Gabirol fast ausschließlich aus Plotin und arabischen Pseudepigrapha, aber nicht aus den — dem Islam weit besser bekannten — griechisehen Nachfolgern Plotins6, hat erklären wollen, und Plotin in 1 Gabirol wird an die Lehre von der Beziehung der Sinne zu den Elementen (Ethik S. 6b) und an die Abstufung des Geistes, der Seele und der Sinne (H 0 r 0 v i t z, P&ych.13ל; vgl. auch Fons vitae 10,ל ff.) denken, aus der die Ueberlegenheit des Geistes folgt. 2 6,6 ff. 2 Weiterbildung der Definition der Philosophie als -paaic -t&v Sven» { ötna ioxiv Ammon. Isag. in Porph. 2,21 u. ö. * V 3ל f.; 3312 ,ל ff. 5 S. Horovitz, Psychologie der Neuplatoniker S. 144, der mit Recht auf Plotin IV 8,5 verweist. * Ueber die wenigen Ausführungen Plotins vgl. H o r o v i t z a. a. O. 83 f. Ueber' Porphyrios und Proklos handelt bekanntlich Schahrastani mit Namensangabe.