Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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7 if» v-ty. *;%־, v. *» ag So gewiß also Bachja an das Altertum anknüpft, so gewiß lehrt die systematische Betrachtung seines Versuchs dessen mittelalterliche Eigenart erkennen. Schon die antiken Bestimmungslehren suchen die Mächte zu rechtfertigen, in deren Dienst der einzelne Denker sein Leben gestellt hatte. Für die einen gewinnt die Pflege der Wissenschaft, für die anderen die gemeinnützige Arbeit tiefere Begründung durch den Glauben, daß wir zu diesem oder jenem bestimmt und geschaffen sind. Zu diesen Lebensmächten, die von der Bestimmungslehre eine Rechtfertigung erwarten, tritt im Mittelalter die Religion — nicht nur im Sinn des Poseidonios als rein persönliches Bedürfnis oder auch nur im Sinne der Hermetik als Triebkraft einer auf freiem Anschluß beruhenden Gemeinschaff, sondern als die mit dem Anspruch auf Hingabe an uns herantretende Beherrscherin des Lebens. Ihre Rechtfertigung versucht Bachja von der Voraussetzung aus, daß nicht nur die ״Pflichten des Herzens" ungleich wichtiger sind als die ״Pflichten der Glieder“, ja, die eigentlichen Pflichten der Religion sind, sondern daß der Sinn der Reinigung des Herzens die ewige Seligkeit ist. In das Streben nach Seligkeit wird also unsere Bestimmung gesetzt. Insofern wird der erste der drei von uns bezeichneten Wege beschritten, der Weg von der Ethik her: was uns als Ziel des Sollens vorschwebt, gilt als Gebot höheren Willens. Aber dazu tritt sofort die zweite, teleologische Erwägung: die (geistige und körperliche) Organisation des Menschen und seine Lage, also seine Versetzung in das niedere Erdendasein, ja, sein äußeres Ergehen, werden aus dieser Bestimmung zur Seligkeit begriffen. Und dem dritten Weg gemäß tritt diese Vor- Stellung in nahe Beziehung zu dem Bilde Gottes als des gütigen, aber mit Strenge zum rechten Wege leitenden Vaters. Wenn wir uns an Bachjas Worte halten dürften, so nähme seine Bestimmungslehre dem Forschen wie dem sittlichen Handeln den letzten Rest des Selbstwertes, den sogar die Hermetik ihm zu lassen scheint. Wer freilich den Mann und seine Wirkung verstehen will, wird, sich darüber klar sein müssen, daß auch hier die Formel die Form nicht ungebrochen wiedergibt: während in der Hermetik echtes Jenseitsstreben die Formulierungen der Wissenschaft nicht ausreichend umgestaltet, scheint bei Bachja die hohe Bewertung des Jenseits wesentlich der Verachtung der dunjä, der Welt mit ihrem selbstischen, gottentfremdeten Treiben, und dem Bedürfnis nach religiös-sittlicher Lebensgestaltung zu entspringen.