Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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metik, daß es der Erleuchtung durch Gott bedarf1, und daß die Prüfung unserer Lage in der Welt zwar zu der Erkenntnis weitgehender Abhängigkeit, aber doch nicht zu vollem Determinismus führt2. Ein Bild vom Gedankengang der Vorlage können wir uns natürlich nicht machen3; Bachja selbst deutet an, daß er stark gekürzt hat4. Einen kurzen Rückblick werfen wir, ehe wir weiterschreiten, auf jene arabische Schrift, die uns die Feststellung der Vorlage Bachjas erleichtert hat5. Der Nachweis J. Krolls und Reitzensteins, daß sie echtes hermetisches Gut enthält, hat sich erweitern lassen. Aber als Uebersetzung einer frühgnostischen Schrift können auch die ersten Kapitel nicht gelten. Das zeigt schon die Ersetzung der Dialogform durch die zusammenhängende Darstellung und die Unklarheit in Bezug auf das redende Subjekt, aber auch der Mangel allen mystischen Tones. Und die Vorrede lehrt, daß wir uns den Verfasser durchaus nicht als Kopisten vorzustellen haben, sondern als einen Mann, der sich deutlich bewußt ist, wodurch sich seine Darstellung der Hermetik von den üblichen unterscheidet: durch die Klarheit und Allgemeingültigkeit der Argumente. Er vertritt also eine Art wissenschaftlicher Reformhermetik — das Wort Wissenschaft natürlich in sehr eingeschränktem Sinne verstanden: auch die Gnosis, die auf seine Ethik stark gewirkt zu haben scheint6, ist für ihn Wissenschaft, und sein Ziel ist vor allem als ethisches zu bezeichnen. Als Typus der islamischen Hermetik wird er kaum gelten können; aber wertvolle Einzelaufschlüsse über recht alte hermetische und gnostische Vorstellungen werden aus ihm zu gewinnen sein. 1 Die später deutlicher hervortretende Vorstellung (s. 0.) findet sich bei Bachja bereits in der Vorrede zu § 5 (S. 10* unten). 2 Bachja § 8; dazu Kroll 212 ff., der ausreichende Belege für das besonders lebhafte Interesse der Hermetik am Problem der Willensfrei־ heit bringt. 3 Auch der Vergleich mit Pseudobachja führt m. E. trotz mancher beachtenswerter Uebereinstimmungen nicht zu sicherem Schlüsse, solange nicht feststeht, was hier ge mein arabisches Schema ist. 4 Er versichert, daß er sich kurz fassen werde: III Einl. Ende (ft“., 1) und § 9 Anf. (Mo, 16). An anderen Stellen der Schrift Bachjas sind sichere Spuren hermetischen Einflusses, soweit ich sehe, nicht zu erkennen; etwas auffallend ist aber die Scheidung zwischen der Vergeltung im allgemeinen und der für besondere Lieblinge Gottes im Jenseits (IV 4 Ml, 1ל f. S. 214־ Stern, fM, ל ff. 239 ־ Stern). 5 Entstehungszeit und -land bleibt nach wie vor dunkel. Vielleicht spricht die Frauenfeindschaft für Iran oder Maghreb: vgl. Bauer, Isl. Ethik II 28, 4. 6 R e i t z e n s t e i n a. a. O. 5ל ff.