Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2721045--056-2726551
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

41 Boussets1 ״der zwischen Volksglauben und rationaler Reflexion vermittelnden theologischen bezw. theosophischen Spekulation zuzuweisen sind“. Nähere Betrachtung ergibt indessen, daß beide Schriftsteller persönlich eher der individuell-abstrakten Auffassung dps Verstandes zuneigen, ihm aber unter der Ein- Wirkung ihrer älteren Vorgänger Funktionen zuweisen, die nur unter der Voraussetzung der allgemeinen und konkreten Fassung berechtigt sind. So ist bei dem Araber das Ich der VII. Ansprache, das sich vor der Versuchung durch die Seele schützen will, wohl individuell gemeint; aber es redet offenbar als unfehlbarer Abgesandter der ״Welt der Vernunft“, zu der die Seele zurückkehren soll2; und so gewiß auch Bachja § 5 den Redenden als ״unseren Verstand“ einführt, so wenig paßt die Unfehlbarkeit, mit der dieser auch hier auftritt, und die höchst ehrende Anrede der Seele an ihn3 zu dem Einblick in die Unzulänglichkeit des Einzeldenkens, die gerade Bachja stark betont4. Es schimmert also trotz der — bei Monotheisten sehr verständlichen — Umformung eine ältere Fassung durch, in welcher ״der Nus“ als persönlich gefaßte Weltvemunft redete. Solche belehrende Ansprachen des Nus sind aber in der Hermetik mehrfach bezeugt3 *. Und unser Araber ermöglicht uns einen weiteren Schritt zurück. Er nennt den Nus am Ende der ersten Abhandlung den ״vornehmsten Dolmetsch“ des höchsten Wesens. Diese Be- Zeichnung®, die sich auch in der hermetisch beeinflußten pseudobachjanischen Schrift findet7, geht natürlich zurück auf die Gleichung * Eppyz Ip/ayvenc, die wir (um von Platons An- 1 Kyrios Christos 378. 2 Vgl. V 11 und die sofort anzuführende Stelle I 11. » Z. B. § 10 Anf.!4 Kaufmann, Theologie des Bachja (1874) 94; Goldziher, Abh. Gött. Ges. 1907, 13*. 5 Poim. I und XI; dazu W. Kroll, Realenzykl. VIII 803 unten und B 0 u s s e t GGA• 1914, 725 f. * Zu ihr stimmt aufs beste, was XIV 8 über Gottes Wirkung auf die Vernunft und die Wirkung der Vernunft auf die Seele gesagt wird: gegen Reitzensteins Annahme zweier Quellen. 7 Da die vier Worte qI*5־»jäJI übereinstimmen, ist Zufall ausgeschlossen (Kaufmann, Studien zu Gabirol 54, 1). Goldz i he r bringt a. a. O. 41* Parallelen für die Mittlervorstellung, aber nicht für den Ausdruck ^1,•צ^י, der auf die Hermetik beschränkt scheint. Die sofort zu erwähnende Bachjastelle, wo der Nus Vermittler heißt, ist ihm anscheinend entgangen. (Für Nichtarabisten setze ich das entscheidende Wort תרגמאן in hebräischen Buchstaben her.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.