Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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vermitteltem Nachklang einer älteren Vorstellung rechnen müssen, für welche Psyche eine Gottheit war*; jedenfalls zeigt die arabische Schrift, daß Ansprachen an die Psyche in der islamischen Hermetik üblich waren. Ueber die redende Person gibt der Araber keine Auskunft. Aber man lese nur die Anfangsworte des VII. Traktats: ״Wie lange soll ich dich, o Seele, auf den Weg des Heils treiben, ohne daß du dich treiben läßt, während du mich auf den Weg des Unheils zu treiben suchst, ich mich aber nicht verleiten lasse, deinen Weg einzuschlagen? Wenn der Unterschied zwischen uns so groß ist, so müssen wir uns trennen und jeder seines Weges gehen“. Diese Worte (in denen übrigens die ältere, bei Bachja beibehaltene Dialogform noch durchschimmert) sind unverständlich unter der Voraus« Setzung, daß hier ein Schriftsteller zur Seele redet, den sie ja nie zu verführen gesucht hat und dessen ״Trennung“ von ihr sie kaum als etwas so Bedrohliches empfinden würde, wie hier angenommen wird. Sie sind vielmehr einer Vorlage ent« nommen, in welcher der Nus zur Seele redete, wie bei Bachja (im Sinne des aus Plotin bekannten Gedankens, daß sich der Nus mit der Seele verbindet, außer wenn sie ihm abtrünnig wird)2; in der Tat heißt es unmittelbar vorher3, daß die Seele nur durch den Anschluß an den Nus und durch den Gehorsam gegen ihn dem Tode entgehen kann; die Verweigerung dieses Gehorsams gibt also zu dem Quo msque tandem der VII. Ansprache Anlaß. Also nicht nur der Angeredete, sondern auch der R e d e n d e ist derselbe wie bei Bachja. Aber nun entsteht die Frage: wer ist dieser Nus? Ist es das individuelle Denkvermögen des Menschen öder die persönlich gedachte Weltvemunft? Eine ganz scharfe Antwort, dürfen wir von unseren beiden Gewährsmännern nicht erwarten; bei beiden handelt es sich offenbar um einen jener ״Schwebebegriffe zwischen Konkretum und Abstraktum, zwischen ' Person und Eigenschaft“, die nach einer zutreffenden Bemerkung gehobenen Stelle dib Dialogform erklärt, so konnte diese Gepflogenheit dem Schriftsteller die Uebernahme dem Leser die Hinnahme der fremden Form erleichtern. Auch an den reflexiven Gebrauch der Worte für Seele (את נפשו sich selbst) ist zu erinnern. 1 Re i t ze ns t e i n a. a. O., namentlich S. 51; vgl. auch S. 42 unserer Abhandlung über gnostische Einflüsse. 2 Emu y 1, 5. * VI 15. Zusammenhänge zweier aufeinander folgender Abhandiungen, wie hier und VII f., XII f. und namentlich XIII f., zeigen, daß der Verf., wie Seneca in seinen Briefen, eine zusammenhängende Dar- Stellung, wie diejenige Bachjas es ist, in kleinere Einheiten zu zerlegen sucht. J