Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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nach dem Auslahde schaffen ließ und daher auch später daran seine Freude haben durfte. Damit ist vorausgesetzt, daß die Richtlinie für unser Handeln, zu der 1ms die Erkenntnis und Beachtung unserer Bestimmung verhilft, uns zugleich das jenseitige Wohlergehen gewährleisten soll. Und der Verstand versichert ausdrücklich, daß die Seele nur durch eine solche Auffassung des Diesseits, wie sie sie in ihrem Gleichnis bekundet, für seine Belehrung über die göttliche Absicht empfänglich wird. Er antwortet indessen nur auf die Bestimmungsfrage: ״Das Mysterium der Bewandtnis, die es mit dir hat, ist dies: Der Schöpfer schuf dich aus Nichts in der Gemeinschaft der Geistwesen, um dich zu erhöhen und deine Stufe emporzuheben bis zur Stufe derihm Angehörigen und Lauteren unter denen, die seinem Lichtglanze nahe sind — dir zur Auszeichnung und Wohltat. Aber dessen wirst du erst fähig nach dreierlei: erstens der Entfemung des Schleiern der Torheit von dir und deiner Erleuchtung durch seine Wissenschaft; zweitens deiner Erprobung und Prüfung, ob du dich für den Gehorsam oder den Ungehorsam gegen ihn entscheidest; drittens deiner Peinigung in dieser Welt und deiner ‘ Beharrlichkeit in seinem mühevollen Dienste in ihr (der Welt), um dich emporzuheben zur Stufe der Hohen und Beharrlichen. Solches kann dir nicht zuteil werden, so lange du in deiner ersten Verfassung bist. Aber die Weisheit des Schöpfers schuf dir dies Weltall zu deinem Nutzen#und einen ihm ähnlichen Palast mit den fünf Toren der Sinne (folgt genaue Beschreibung des Körpers); er gab dir zwei Räte (Vernunft und Leidenschaft) und zwei Schreiber (für gute und böse Taten) bei, sowie zahlreiche Untergebene, und spricht zu dir: Was ich dir in dieser Welt unterstellt habe, kann dein Selbst nicht steigern, sondern nur äußerlich berühren, wie die Schale das Küchlein. Bist du verständig und begreifst du die Absicht, die ich mit dir habe, so lasse ich dich gelangen zur Höhe der Lauteren und mir Angehörigen, nähere dich meiner Liebe und umkleide dich mit dem Lichtglanze meiner Herrlichkeit. Im Falle des Ungehorsams strafe ich dich sehr. Zweifelst du, wie du dich zu verhalten hast, so frage den Verstand um Rat.“ Kein Kenner der hellenistischen Literatur wird diesen Dialog lesen können, ohne sich aufs stärkste an die Hermetik erinnert zu fühlen1. Und da deren Einfluß auf das islamische Denken, / 9 1 Das Königsgleichnis ist aus indischer Quelle eingelegt (Y ahu d a, Vorrede 111), aber vielleicht nur Ausschmückung eines Gedankens der Vorlage.