Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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in der Bibel das Auftreten einer Bestimmungslehre verhinderten, kann erst in zusammenfassendem Ueberblick über das jüdische Mittelalter gefragt werden. Aber schon jetzt ist lehrreich, daß bei Israelis bedeutenderem Zeitgenossen S a a d i a die kausale Auffassung des jenseitigen Ergehens und — eine Bestimmungslehre fehlt. Die Frage des Jenseits sieht er mit seinen Lehrern vom Kalam ausschließlich von Gott und seiner Gerechtigkeit aus; daß wir dort Lohn und Strafe erhalten, gilt ihm durchaus freie Tat Gottes, d. h. als Wunder1. Als immanenten Zweck der Welt betrachtet er2 den Menschen, als transszendenten den Willen Gottes, der im Gegensatz zum menschlichen nicht notwendig eines Nutzens zu seinem Antrieb bedürfe, oder Gottes Wunsch, seine Weisheit zu offenbaren, im Sinne des oben besprochenen Hadith3, oder seine Absicht, dem Menschen wohlzutun; aber eine einheitliche Bestimmung des Menschen wird nicht aufgestellt. Dagegen finden wir etwa gleichzeitig4 bei Gabirol und Bachja Erörterungen der Bestimmungsfrage, die uns um so wertvoller sind, da sie auf die Wege, auf welchen die hellenistische Lehre in die jüdische Philosophie eindrang, helles Licht werfen. B a c h j a s Erörterung findet sich in dem Dialog zwischen Seele und Verstand im III. Buche der ״Herzenspflichten“. Nachdem die Seele tief beschämt ihren Mangel an Gottergebenheit und ihre Lässigkeit im Dienste Gottes eingesehen (§ 5), bittet sie den Verstand um Auskunft darüber5, ״welche geheime Bewandtnis6 es mit ihr hat und zu welchem Zwecke sie in dieser Welt weilt“. Aber in gewissem Sinne greift sie der Antwort vor, indem sie die Befürchtung äußert, es könne ihr gehen wie jenem König, der, nur auf ein Jahr gewählt, an dessen Schluß von allen Reichtümem Abschied nehmen mußte, und nicht wie jenem, der in gleicher Lage während jenes Jahres möglichst viel Besitz 1 J. Kramer, Das Problem des Wunders, Straßb. Diss. 1903, S. 9. 8 Vgl. zum folgenden das Ende des I. und den Anfang des II. Buches der Imänät, dazu Guttmann, Religionsphilosophie des Saadia 83f. » S. 0. S. 35. 4 Gabirol lebte im 11. Jahrhundert, Bachja vermutlich etwas später (näheres bei Husik, A history of mediaeval Jewish philosophy 80). Wir stellen des quellenkritischen Ergebnisses wegen Bachja voran. 5 III 9 Anfang hö, 15 Yah., ^y>l * Das Wort y!\, das wir mit Bewandtnis wiedergeben, entspricht genau dem griechischen M!oc.