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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 52

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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IRI
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36 richte, Gott rühme und seine Herrschaft anerkenne, sich von j allen unreinen Handlungen fern halte und dafür von Gott Ver-; geitung erhalte1. Diese besteht in der Vereinigung mit der oberen Seele, um von ihrem Lichte das Licht der Intelligenz und den Glanz der Weisheit zu erlangen; auf dieser Stufe gelangt der Mensch zur Geistigkeit, indem er sich mit dem imvermittelt aus Gottes Kraft hervorgegangenen Lichte verbindet.“ Die Lehre ist offensichtlich neuplatonisch (nicht im plotinischen Sinne, sondern in dem des Porphyrios) und wird durch die Bemerkungen, die wir zu der ausführlicheren Behandlung anderer jüdischer Neuplatoniker zu machen haben, ausreichend erläutert werden; wir sehen daher hier von einer Besprechung ab. Aber höchst lehrreich ist, daß bereits diese erste jüdische Bestimmungslehre ausgesprochen eschatologischen Charakter trägt. Und es ist weiter bezeichnend, daß die Eschatologie selbst offensichtlich griechisch beeinflußt ist2. Denn wenn in der Vereinigung mit dem göttlichen Lichte ״das Paradies, die Vergeltung und selige Ruhe“ des Menschen liegen soll, dagegen die Leiden, welche die sündenbeschwerte und daher des Aufstiegs unfähige Seele in der Feueiglut der Sphäre erleidet, das Gehinnom bedeuten sollen3, so ist nicht nur mit Einwirkung des theoretischen Lebensideals und der namentlich seit Poseidonios4 beliebten Umdeutung der Hadesmythen zu rechnen, sondern es wird offenbar das Ergehen im Jenseits nicht, wie in der jüdischen und neutestamentliehen Eschatologie, als Ausführung eines freien Richterspruchs, sondern als notwendige ursächliche Folge unseres Diesseitslebens aufgefaßt. Wieweit das Ueberwiegen des eschatologischen Bestandteiles der Weltanschauung und die strenge ursächliche Verknüpfung von Diesseitshandeln und Jenseits- Schicksal zur Beseitigung der Hindernisse beigetragen hat, die 1 Dem entspricht die Definition der• Philosophie als Annäherung an Gott; vgl. Guttmann, S. 21, dessen Parallelen wieder den Einfluß der Aristoteleskommentare auf die Lehre der Araber und Juden vom Sinn der Wissenschaft erkennen lassen. 2 Die islamische Vermittlung wird deutlich, wenn es im gleichen Zusammenhang heißt, daß die Begierden von der Wahrheit, dem Gehorsam gegen Gott und den vorgeschriebenen Gebeten abziehen. Diese Bewertung des c&o ist unjüdisch. * Guttmann a.a.0.23ff. 4 Daß Sextus Math. IX 71 ff. und 86 aus ihm schöpft, wird m. Wnicht bestritten und läßt sich durch neue Erwägungen, die ich demnächst vorzulegen hoffe, bekräftigen. Was man über seinen Einfluß auf Vergil und Plutarch vorgetragen hat, bedarf stark der Nachprüfung. i

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