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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 49

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
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ßP •$v Gedanken zu rechnen haben1: ״Die anderen Wesen haben das Denkvermögen nur zum Zwecke der Lebenserhaltung bekommen, der Mensch aber erhielt die Wissenschaften der Lebenserhaltung und auch des Denkens selbst wegen“. Bei solcher Neigung, aus dem Vorhandensein eines Vorzuges auf dessen gottgewollten Zweck zu schließen, und bei dem Zusammenhang von Zweckursache und Wesen im Peripatos2 mußte es von großer Bedeutung werden, daß dieselben Kommentare, wieder abweichend von Aristoteles, aber wieder an eine im Peripatos begonnene Entwicklung anknüpfend, den Menschen als das ״denkende Wesen“ definierten3. Damit — aber natürlich auch mit tiefen Wandlungen des Welt- und Lebensbildes — hängt zusammen, daß man die ״Vollkommenheit“ des Menschen abweichend von dem umfassenden, alle Seiten unseres Menschentums berücksichtigenden Ideal des Aristoteles, ausschließlich in das Geistige setzte, das unser spezifisches Wesen im Gegensatz zum Tiere bildet4. Wie nahe von hier aus der Weg zu jener theoretischen Auffassung der Bestimmungsfrage war, die uns im jüdischen Mittelalter so häufig begegnen wird, zeigt ein Satz aus einem bereits vom arabischen Aristotelismus abhängigen Syrer5: ״Die Weisheit ist die Vervollkommnung der menschlichen Seele durch die Wahrnehmung der seienden Dinge nach Maßgäbe der Befähigung, die ihr hierfür von der Natur zuteil wurde. Und zwar . . . sind wir entweder nur zu ihrer Erkenntn i s , nicht auch zum Handeln geschaffen oder z u bei dem zugleich.“ Denn natürlich mußte die griechische Bestimmungslehre aus gleichen Gründen wie für das Jüdentum für den Islam 1 Askl. in Ar. Met. 3, 14 Hayduck. 2 S. 0. S. 11. * Aristoteles definierte den Menschen nur als das ״zur Wissenschaft befähigte“ Wesen, und auch das nicht in ethischen Schriften, sondern in der Topik 132a 19, 133a 22. Dagegen finden sich die Worte ■co aoipöv Opov avOpiuito; in der pseudoaristotelischen Schrift Von der Welt 392b 18• Die Definition als C<j>ov kopxöv dvijtöv ist bei Porphyrios (z. B. Isag. 10, 12; 11, 16) und•-Ammonios — um nur zwei besonders einflußreiche Kommentare herauszugreifen — sehr häufig; vgl. die Indices der Akademieausgabe. 4 Z. B. Asklepios ebd. 2, 29 ff.; Ammonios zu Porph. Isag. 3, 24 ff. Busse : ״Wie Mensch und Tier sich ihrem Wesen (ouoia) nach unterscheiden, so auch hinsichtlich ihrer Vollkommenheit; die Vollkommenheit des Menschen ist ein Leben mit Vernunft und Denken“. * Die Stelle aus Barhebräus entnehme ich B aumstark, Aristoteles bei den Syrern 1164, dessen Uebersetzung und Behandlung ich benutzt habe.

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