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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 48

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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die uns bei dem erheblichen Einfluß der Gnosis auf das Judentum gleichfalls angehen. Auch hier wird die griechische Frage- Stellung durchaus selbständig weitergeführt: nicht aus unserem natürlichen Sein ergibt sich ja hier die Aufgabe des Lebens, sondern aus dem Anteil an der Gnosis, die wir durch die Aufnahme in die Mysterien erlangen. So dankt der Jüngling in den Thomasakten Gott, ״der mich gelehrt hat, mich selbst zu erforschen,— zu erkennen, wer ich war, wer ich jetzt geworden bin und auf welche Weise, damit ich wieder werde, der ich war“. Auch Bischof Clemens will nur den Dank gegen Gott ableiten aus der Erwägung ״aus welchem Stoff wir stammen, wer und wie beschaffen wir waren bei unserem Eintritt in die Welt: daß aus Grab uiid Dust der Schöpfer und Werkmeister uns in seinem Kosmos eingeführt hat“; als Gegner kennt er Leute, ״die nicht wissen, woher, von wem und wohin wir berufen wurden“. Das solche Fragen aus einem größeren Zusammenhang stammen, zeigt das glücklicherweise erhaltene Fragment aus dem Gnostiker Theodotos, in dem man neuerdings das Leitmotiv der Gnosis hat sehen wollen1: ״Nicht die Taufe allein befreit, sondern auch die Erkenntnis, wer wir waren und was vir geworden sind, wo wir sind und wohin wir geraten sind, wohin wir eilen und wovon wir gelöst werden, was Geburt ist und was Wiedergeburt“. Schimmern hier auch die griechischen Formeln deutlicher durch als an der erwähnten Mischnasteile, so kommt es doch auch hier nicht zu einer Bestimmungslehre im hellenischen Sinne. Dagegen darf schon jetzt bemerkt werden, daß der alte Zusammenhang zwischen jenen Fragen und dem Bestimmungsproblem sich bei G a z z a 1 i erhalten hat: ״Du sollst nach Erkenntnis deines wahren Wesens streben: was du bist, woher du gekommen bist, wohin du gehst und zu welchem Zweck du für diese paar Tage in diese Karawanserei gekommen bist, wozu du erschaffen bist, worin dein Glück besteht und wodurch du glücklich wirst, worin dein Elend besteht und wodurch du elend wirst2.“ Besonderen Vorschub leistete der Entwicklung einer jüdischen Bestimmungslehre die Tatsache, daß sich in den —auf das jüdische Mittelalter sehr einflußreichen — Aristoteleskommentaren eine sehr bemerkenswerte Weiterbildung der peripatetischen Lehre vollzog. Vor allem macht sich bei ihnen der Sieg geltend, den die transszendente Teleologie des späterenPeripatos und der Stoa über die immanente und vitalistische des Aristoteles erfochten hatte®. So schreibt ein Kommentator der Metaphysik, bei dem wir gewiß nicht mit originellen 1 Leisegang a.a.O. * Aus dem Anfang des Kimijä angeführt bei H. R i 11 e r, Al Ghasali, Das Elixir der Glückseligkeit (1923) 23. * S. o. S. 12.

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