Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 47

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2721045--046-2726541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

31 woher er stammt, was für ihn gut und schlecht ist“. Wahrscheinlieh ist Poseidonios Quelle; in seinem Sinn wäre zu antworten, daß das Selbst, der Daimon, aus jener Welt stammt und zu ihr zurückkehrt, sich daher auf Erden reih zu halten hat. In gleichem Sinn und vermutlich unter gleichem Einfluß redet auch Porphyrios De abst. I 27 (unmittelbar vor der oben behandelten Stelle über unsere Bestimmung) von dem Menschen, ״der klar erfaßt hat, wer er ist, woher er kommt und wohin er gehen wird“. Aber wie die Selbsterkenntnis in Poseidonios" Sinne, die Erkenntnis unserer Gottverwandtschaft und Göttlichkeit, schon seinem Schüler Philon vielmehr zur Erkenntnis unserer Nichtigkeit wird1 — aus den gleichen Motiven, aus denen die gleiche Lehre bei Bach ja ibn Paqüda2, bei dem türkischen Dichter Omar ibn Suleiman3 und bei Pascal4 erwächst —, so gestaltet sich unsere Frage5 in der Mischna6 um zu der Lehre: ״Denke an drei Dinge, und du wirst nie zur Sünde kommen: woher du kommst — aus einem widrigen Tropfen; wohin du gehst — zu Staub und Gewürm; wem du wirst Rechenschaft legen müssen: dem Könige der Könige“. Dagegen bleiben die Reflexionen über die Eigenart des menschlichen Körperbaus, die auch im Midrasch nicht fehlen7, ohne Zusammenhang mit der Bestimmungslehre. — Den ursprünglichen Zusammenhang der Mahnungen zur Selbsterkenntnis mit dem Bestimmungsproblem hatte Norden mit Rücksicht auf einige Gnostikerstellen vermutet8, 1 Heinemann, Poseidonios* metaphysische Schriften 70; zu den dort genannten Phiionstellen De somn. I 60; 212 kommt Quis rer. diy. heres 28 f. 2 Ueber Bachja III 6 g. E. vgl. Heinemann ebd. 3 Die Erfreuung der Geister ed. K r e־h 1, Leipzig 1848, S. tf bezw. 13. 4 Bornhausen, Pascals Ethik 93. 5 Auf die Andeutung Marc. Aurel. V 32 ״eine verständige Seele ist die, welche äpxrf und xeXoc kennt“, möchte ich hinweisen, da ohnehin mit der Vermittlung durch einen stoisierenden Popularisator, also einen Geistesverwandten des Kaisers, zu rechnen ist. Einiges über deren Einwirkung bei Bergmann, Stoische Philosophie und jüdische Frömmigkeit, in: Judaica, Festschrift für Cohen, 145 ff. 8 Pirqe Abot II 1. In dieser Auffassung klingt die Mahnung mehrfach in der religiösen Lyrik des Mittelalters nach. 7 Nach Abot de R. Nathan 372 hat der Mensch mit den Engeln Vernunft, aufrechte Haltung und die heilige Sprache gemein. Weiteres bei Mich. Guttmann, Mafteach hatalmud I 537. 8 Außer Norden Agh. Th. 102 der auf Exc. ex Theod. 78 und Acta Thomae 15 verwies, ist Bousset GGA 1914, 741, 2 zu vergleichen, der I Clem. 38 und II Clem. 1 notiert. Weitere gnostische Parallelen sind anscheinend weder Bousset noch S t a e h 1 נ n (zu Clemens III 131,16 ff.) bekannt gewesen. Doch darf vielleicht auch auf Hipp. El. V 6, 6 (Anfang der Vollendung ist die Kenntnis des Menschen: angeführt bei Leisegang, Die Gnosis, S. 1) verwiesen werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.