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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 46

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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30 nicht geschaffen worden, daß sie in dieser Weise durch Griffel und Tinte ihre Treue bekräftigen. Denn die Menschen sind nicht anders als die Engel geschaffen worden, damit sie gerecht und rein bleiben, und der alles vernichtende Tod hätte sie nicht berührt : aber durch dieses Wissen gehen sie zu Grunde." Hier gilt der schriftliche Verkehr der Menschen als unnatürlich {und folglich gottwidrig) im Sinne des Kynismus und seiner Gegnerschaft gegen alle künstlich geschaffenen Formen menschlichen Zusammenlebens; weil wir rein geboren sind, sind wir auch zu einem reinen Leben ohne besondere Vorkehrungsmaßnahmen geschaffen. Die Lehre wird also wohl kynisch vermittelt sein, ohne daß wir uns von der Vorlage eine ganz klare Vorstellung machen könnten. Dagegen lohnt vielleicht ein rascher Seitenblick auf solche Vorstellungen, die im Zusammenhang mit unserer Lehre auf tauchen und auf das Judentum nicht ohne Wirkung geblieben sind. So wäre die Frage, warum Gott die Welt geschaffen hat, für einen Propheten oder Psalmisten nicht möglich gewesen1; sie findet sich mehrfach in der Baruchapokalypse2; und die Antworten: ״um der Menschen" oder ״um der Gerechten willen" sprechen dafür, daß die uns bekannte stoische Teleologie übernommen und in ethischem Sinne weiterentwickelt worden ist. Eine weitere Entwicklungsstufe erreicht diese Theorie in den beliebten Deutungen der Midraschim zu den ersten Bibelworten3, Gott habe die Welt ״um des Anfanges willen geschaffen״' — nämlich ״um der Thora willen, die Anfang heißt״״, oder ״um Israels willen, das gleichfalls als Anfang bezeichnet wird״״. All das sind höchstwahrscheinlich Nachklänge und Weiterentwicklungen griechischer Vorstellungen. Im Zusammenhang mit dem Bestimmungsproblem taucht ferner die Frage auf, wer wir sind. Sie knüpft in Griechenland — wie wir wissen, namentlich seit Panaitios — an den delphischen Satz an, ist aber in dieser Form für das antike Judentum wohl zu abstrakt gewesen. In bestimmterer Form findet sie sich bei Seneca Ep. 82, 64: ״Der Mensch wisse, wohin er geht, 1 Es ist bezeichnend, daß sich Saadia am Ende des ersten Buches der Imänät für seine Auffassung vom Zweck der Welt auf Bibelverse beruft, die offenbar von anderem handeln. Daß Gen l17f. (die Sterne sollen leuchten) noch keine anthropozentrische Teleologie ausgesprochen ist, bemerkt Maimuni More III 13 g. E. mit Recht. 2 II 4, 18; 5,7. Da das Thema nur gestreift werden soll, seien Weiterforschende auf Viole ts Parallelensammlung ausdrücklich hingewiesen. * Uebor diese und verwandte Deutungen vgl. Theodor zu Ber. R I 4 S. 7S. 4 Auf den Zusammenhang dieser und verwandter Stellen mit der Bestimmungslehre machte N 0 r d e n, Agnostos theos 102, aufmerksam

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