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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 45

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
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׳'*.«י. * 'דזי *<־ST 29 licher gefaßt als in der Wissenschaft. Wie hier offensichtlich religiöse Einflüsse mitwirken, so mußte sich von hier aus eine Brücke zu dem Weltbilde des Judentums und des Christentums besonders leicht gewinnen lassen. Weit stärker als das hellenische Denken ist die Bibel an der Frage hach dem Sinn des Lebens interessiert. Dennoch gehen alle Lehren über die Bestimmung des Menschen, die wir im Judentum — und, soweit ich urteilen darf, im Christentum und im Islam — finden, nicht auf die Bibel, sondern irgendwie auf hellenische Anregung zurück. Das klingt seltsam, aber es erklärt sich sofort, wenn bedacht wird, daß eine Zweckbestimmungslehre im strengsten Sinn auch den zweiten der von uns erwähnten Wege beschreiten, also auch aus dem Sein des Menschen auf sein Sollen schließen muß. Das aber geschieht in der Bibel nie und kann hier nicht geschehen. Das Sollen ist hier durch das Gebot Gottes bestimmt, das, gleichviel ob als innere oder äußere Offenbarung gefaßt, sich durchaus nicht auf unsere Beschaffenheit gründet, da vielmehr unsere angeborenen Fähigkeiten und Neigungen uns oft genug auf die nicht gottgewollten Wege treiben1. Stellen, wie Jes 432!: ״Dies Volk habe ich mir gebildet, daß es mein Lob verkünde“, sagen nichts über eine religiöse Begabung Israels aus, die den Anlaß zu seiner Bestimmung gäbe; sie enthalten also, wenn man es so nennen will, eine Berufungs-, keine Zweckbestimmungslehre. Und der Satz der Mischna2: ״Hast du viel Thora gelernt, so tue dir nichts darauf zugute, denn dazu bist du erschaffen", bezeichnet ebenfalls nur eine geschichtlich begründete Verpflichtung. Es gibt, soviel ich sehe, nur eine Stelle im älteren jüdischen Schrifttum, in welcher man mit einigem Recht eine Bestimmungslehre im hellenischen Sinne sehen könnte. Sie steht im Buch He noch (69s): ״Der vierte (Engel) heißt Penemue; er hat den Menschen das Schreiben mit Tinte und Papier gelehrt, und dadurch haben sich viele Menschen seit Ewigkeit bis in Ewigkeit . . . versündigt. Denn dazu sind die Menschen 1 Im wesentlichen auf dasselbe heraus kommt der Einwand Gazzalis (bei H. Ritter, Al Ghasali, Das Elixir der Glückseligkeit, 23): ״Wenn im Menschen die Eigenschaften des Viehs, der Raubtiere, der Teufel und der Engel vereinigt sind, woher weiß ich dann, daß sein eigentliches Wesen die Substanz der Engel ist und daß er dazu geschaffen ist, in sich die Eigenschäften der Engel zur Entfaltung zu bringen, nicht die anderen?*‘ 2 Pirqe Abot II 8.

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