Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 42)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2721045--041-2726536
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

׳ - י־. f ,״'־י 26 nachträglich durch Anleihen bei den wissenschafthchen Weltbildern einen philosophischen Aufputz erhält, ohne daß die spekulative Kraft zur Ueberbrückung der Gegensätze hinreichte. Immerhin ist recht lehrreich, wie der Versuch gemacht wird, der Eigenart der Voraussetzungen der Hermetik in der Bestimmungs־ lehre Rechnung zu tragen. Wenn allerdings erwogen wird, daß die Seele (mit ihrem Erkenntnis- und Erlösungsbedürfnis) im Mittelpunkt unseres Denkens steht und alles ihretwillen da ist, so kann der Gedanke auftauchen, daß sie ״nicht in etwas, nicht in Beziehung zu etwas und nicht wegen eines anderen sich bewegt"1. Aber diese negative Antwort findet sich nur ver־ einzelt; und es entspricht weit eher den Ansprüchen der Mystik, den Lebensweg zu weisen, wenn es heißt, daß die Aufforderung, ״in den Mischkrug zu tauchen in der Erkenntnis, wozu wir ge־ schaffen sind", an alle ergeht, und nur die große Menge derün־ geweihten ihr nicht folgt, da sie nicht wissen, ״wozu und von wem sie geschaffen wurden“2. Genaueres über diese Bestimmung3 erfahren wir aus einer Stelle, an der sicher mehrere Hände gewaltet haben4: ״Die Gottheit erschuf die Geschlechter der Menschen zur Erkenntnis der göttlichen Werke und zum Zeugnis der wirkenden Natur [und die Fülle der Menschen zur Beherrschung aller Dinge unter dem Himmel und zur Erkenntnis {רך£>otv) des Guten, zur Fortpflanzung und Vermehrung] und verleibte jede Seele im Fleische ein mit Hülfe des Laufes der am Himmel kreisenden Götter zur Schau des Himmels und des Laufes der Himmels־ götter, der göttlichen Werke und der Kraft der Natur, zur Er־ kenntnis (?vä)0tv) der göttlichen Macht, zur Anerkennung des Guten, zur Scheidung des Guten und des Bösen und zur Erfindung aller nützlichen Künste/״ Mit der hermetischen Kosmologie verbindet sich diese Bestimmungslehre in einem eigenartigen 1 Stob. ed. Wachsmuth I S. 281 Exc. XVI Scott. 2 Poimandres IV 4 (dazu Norden a. a. O. 102). 3 W. Kroll, Realenzykl. VIII 911 verweist mit Unrecht auf die Bestimmungslehre der ״Schrift an die Seele" II 11, wo, wie wir sehen werden, ein arabisches Wortspiel vorliegt. 4 Poim. III 3b, Scotts Verbesserungen der überaus schwierigen Stelle habe ich aufgenommen; über die Glosseme kann man dagegen sehr verschiedener Meinung sein. Ich halte die von mir in Eckklammern gesetzten Worte für Glossem aus Gen 128. Zu eingehender Stellungnahme scheint mir hier nicht der Ort, da ich Scotts Kommentar noch nicht kenne. Natürlich sind für unsere Untersuchung des Nachlebens der Hermetik auch die Glossen von Wichtigkeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.