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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 41

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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IRI
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25 niederste Stufe sittlichen Lebens. Wohl aber hat Poseidonios recht, soweit er den Sinn und die beseligende Kraft der Theorie nicht in den Ergebnissen des Studiums, sondern im Erkenntnisprozeß selbst sieht : im Verwachsen des erkennenden Menschengeistes mit dem erkannten Weltgeist. Aber auch dieser Begriff wird in neuem Sinne gefaßt: die Lehre von der Symphysis des Menschen mit dem Göttlichen gewinnt im spiritualistischmystischen Weltbilde eine Bedeutung, die sie in dem materialistisch-sensualistischen und tatenfrohen System des Stoikers keinesfalls haben konnte; das aristotelische, von Poseidonios aktivistisch ergänzte Ideal der wissenschaftlichen Betrachtung wird hier völlig aufgesogen von dem — sowohl aus religiöser Sehnsucht wie aus den erkenutnistheoretischen und ontologischen Voraussetzungen des Platonismus stammenden — Sehnen nach Lösung von der Welt des Stoffes und jeder Form sinnlichen Begehrens in der Vereinigung mit dem rein geistigen Weltgrund1. In solchem Sinne mag auch Iamblichos die Lehre von der Theorie als unserer Bestimmung verstanden haben, die er, wie wir sahen (S. 7), aus Aristoteles (natürlich als seine eigene Meinung) in seinen Protreptikos übernahm2. Und aus der Behändlung des Problems bei Porphyrios wird unsere Vermutung wohl noch einleuchtender, daß erst Iamblichos es gewesen ist, der den Pythagoras — für ihn wie für Porphyrios den Spender tiefer religiöser Einsicht — zum Vater der Fragestellung machte 3. Im Gegensatz zu diesen wissenschaftlichen oder doch unmittelbar aus wissenschaftlicher Forschung schöpfenden Lebensanschauungen schafft sich in der Hermetik4 religiöser Drang mit mythenbildender Kraft ein phantastisches Weltbild, das 1 Abst. I 5, ל oux eaxiv aXXux; xu^eiv xou xeXotx; 7cpoa7jXüüevxa ytsv . . . T<j» d<pT)Xü)&evra Zk xoo aü){1ax0Q xat x&v 01a xoäxou xfjc ^ooicafretüiv. 2 S. 0. S. 8. 3 Nach Boethios ist der Zweck aller Wesen das Gute (Gons, phil. III 11); daher kann es auch bei ihm zu einer besonderen Bestimmungslehre nicht kommen. Seine Meinung, daß der Mensch die Wahl hat, zum Tier oder zum Gott zu werden (IV 3)י erinnert auch in der Einzelausführung an Lieblingsgedanken Gazzalis (s. u.) und jüdischer Geistesverwandter, nur daß diese im ״Göttlichen“ das Wesen des Menschen sehen. 4 Von Walter Scotts Hermetica konnte nur der erste Band (Oxford 1924) benutzt werden. Auch die Ausgabe des Papyrus Mimaut durch F a h z und Preisendanz (vgl. OLZ 1925, 854) war mir noch nicht zugänglich.

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