Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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WfW^I^IPPpiPi,^^״.* --־־■־* ג.־ 1‘י' ־ ־ 22 886 an) die Ansicht des Poseidonios im Zusammenhang mit dessen gesamtem Weltbild etwa so wieder: ״Oder kann es zweifelhaft sein, daß ein Gott in der Tiefe unserer Brust wohnt und daß die Seele zum Himmel heimkehrt, wie sie vom Himmel kam? Daß, wie das Pneuma die Welt, so der Geist den Mikrokosmos des Menschen lenkt? Und kann es uns wundern, daß der Mensch die Welt erkennt, der die Welt in sich enthält und ein verkleinertes Abbild der Gottheit darstellt? Oder sollen wir glauben, daß die M en sehen für etwas anderes als den Himmel gezeugt sind? Im Gegensatz zu den vorgebeugten, sprachlosen Tieren (905) richtet sich der Mensch allein himmelwärts empor, sendet siegreich den stemhaften Blick zu den Sternen1 und sucht den Olymp genauer zu betrachten, Jupiter zu erforschen“. Und noch ein bekannter Astronom des 4. nachchristlichen Jahrhunderts, FirmicusMaternus, schreibt in der Einl. zum 8. Buch seiner Sternkunde etwa: ,,Nichts Erdhaftes darf unsere Gedanken erfüllen, zumal wir wissen, daß Gott, unser Schöpfer, uns durch die Fügung seiner Schöpferkunst so gestaltet hat, daß wir durch die aufrechte, aller Erniedrigung überhobene Körperhaltung sofort bei Oeffnung unseres Auges nur Sonne, Mond, Sterne und deren herrliches, ewiges Haus —- den Kosmos — anschauen, während die Natur die anderen Lebewesen gebeugt und zu ständiger — körperlicher und geistiger — Verbindung mit der Erde geschaffen hat." Auch das ist Poseidonios — mag sich auch darih, daß nicht Sonne, Mond und Sterne, sondern nur ihr ,,Haus“ als ״unsterblich“ gelten soll, und in der Unterscheidung des göttlichen Schöpfers des Menschen von der Natur als Gestalterin der Tiere die Zeit und die persönliche Gesinnung des später zum Christentum übergetretenen Verfassers bekunden. Während also bei den Astronomen die ״enthusiastische Schaufrömmigkeit", wie sie Bousset2 genannt hat, zu schönem Ausdruck kommt, findet eine von allem Sinneseindruck völlig gelöste Frömmigkeit ihren wissenschaftlichen Ausdruck im Neu־ platonismus. Das Leben ist P101in nicht, wie Aristoteles, eine Schau, der wir uns befriedigt hingeben, noch, wie Poseidonios, ein Kampf, an dem wir uns beteiligen, sondern — ein Spiel, das der Weise als Spiel nimmt, trotz seines tränen- 1 Manilius verwertet (wie II 115 f.) Poseidonios’ Satz, daß wir das Licht nur durch das lichtartige Auge und den Weltgeist nur durch den verwandten Menschengeist erkennen können. 2 GGA 1914, 742.