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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 36

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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Tod zum Ziele des Lebens ipachen konnte der stoische Staatsmann schon deshalb nicht, weil ihm aus dieser Erde, wie wir sahen, gottgewollte Pflichten wuchsen, und weil er an die Bereicherung unserer Erkenntnis durch die Sinne nicht nur (anders als Platon) in der Theorie geglaubt, sondern sie auch in einer Entdeckerlaufbahn erfahren •hat, mit welcher er wiederum das gottgegebene, Lebensziel zu •verfolgen glaubte. Wie die geistvolle Pointierung des Satzes Senecas Stil verrät, so bekundet sich die persönliche Stimmung des Greises am Hofe seines kaiserlichen Schülers in dem Bestreben, Trost in der Lehre zu suchen1 *, daß dies Leben nicht das einzige, ja, nicht einmal das eigentliche ist. Aber diese Tendenz zur Loslösung aus dem Leben tritt bei den stoischen Popularphilosophen der Kaiserzeit zurück*. Epiktet tadelt die Menschen, die nicht wissen, ״wer wir sind, wozu wir geschaffen sind und welches das Schauspiel ist, bei welchem wir einen Platz erhalten haben"3; er ist also mit dem Problem, mit dem Zusammenhang der Wesens- und Bestimmungsfrage und dem Bilde von der Festversammlung vertraut; aber geschaffen hat Gott den Menschen nach Epiktet ״zu seligem, stetigem Leben“4, wiewohl wir uns bei einzelnen Schicksalsschlägen sagen müssen, daß wir ״auch hierzu geschaffen sind"5; die Bestimmung wird also passiv gefaßt und der Glaube, daß das Leben ein Feldzug ist, in dem wir gemäß dem Willen des Feldherm unseren Posten ausfüllen müssen6, gewinnt auf die Formulierung des Bestimmungs- Problems keinen Einfluß. Andererseits setzt Kaiser Mareus Aurelius, für den gleichfalls die Wesens- und die Bestimmungs- 1 Daß er ihn nicht gefunden, also an die persönliche Unsterblichkeit nicht mit Bestimmtheit geglaubt hat, ändert nichts an der Tatsache, daß ihm die Darstellung der ihm so sympathischen Lehre Bedürfnis war, und nötigt keinesfalls zur Annahme unmittelbarer Wiedergabe einer Vorlage. * Aber auch Antiochos stellt an der von uns angeführten Stelle (= Cic. Fin. V 41) die Tiere ihrer Bestimmung nach neben den Menschen, nicht ihm gegenüber. * Diatr. I 6, 25 ooxe ttvs; ist! out’ 6*1 ti 6»«סץ6ן oute xo&xö 6ax1v, etp’ 05 ־rijv deav 1tapeiX7](p&3. § 23 ist Olympia erwähnt. 4 III 24, 2 ex't xo eüSaiiiovsTv, 6*1 xo eüsxafreTv 6xoi1)36v, * II10, 6. Norden (AgnostosTheos 103f.), der auch die erstangeführte Stelle notiert, bezieht die Erwähnung der Philosophen § 5 auch auf unseren Satz; das ist nur so weit berechtigt, als die Hinnahme der Schicksals- Schläge stoische Forderung ist und von Epiktet als stoisch empfunden wird; aber die Formulierung stammt von ihm. * III 24, 31 ff.

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