Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721045--034-2726529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gäuge wieder. Gleiches gilt für Philo 11,pach welchem1 ״der Mensch eine bevorzugte Gestaltung erhalten hat; denn den Blick der anderen Wesen hat (der Schöpfer) nach unten gebogen, so daß sie sich erdwärts neigen; den des Menschen hat er dagegen emporgerichtet, damit er den Himmel anschaue“ oder, wie es an anderer Stelle heißt, ״himmlische und ewige, nicht irdische und vergängliehe Nahrung erhalte“2. Auch die Mahnung des Dichters Persius, zu erkennen, ״was wir sind und zu was für einem Leben wir geboren sind“3, bietet vuis nichts Neues. Eine eigenartige Nuance scheint sich dagegen schon bei Seneea bemerkbar zu machen. Nachdem er4 ganz nach Poseidonios den Menschengeist gerühmt als ״Gottesgeist, von dem ein Teil in diese sterbliche Brust eingeströmt ist“, fährt er fort: ״Sie (die Menschenbrust) ist niemals göttlicher, wie wenn sie an ihre Sterblichkeit denkt und beherzigt, daß der Mensch dazu da ist, sich vom Leben zu lösen5, und daß unser Körper kein Heim, sondern ein Gasthaus ist, das wir verlassen müssen, wenn wir sehen, daß wir dem Gastgeber beschwerlich fallen“. Der Gedanke, daß wir zum Sterben da sind, also‘nicht nur passiv dem Tode überantwortet, sondern zu selbsttätiger, aktiver Loslösung vom Leben, knüpft gewiß an die Setzung geistiger Ziele und an die Emporhebung des Daimon über alle niederen Seelenvermögen wie 'über das Körperliche an, die Poseidonios vollzog. Aber im Sinne des platonischen Phaidon den 1 De plant. Noe § 17; Quod det. pot. ins. soleat § 84 f. Beide Stellen fehlen in der erwähnten Dissertation von Dickerman (Halle 1909); an Stelle der letzteren steht (S. 94) deren Wiedergabe in der pseudophiionischen Schrift De mundo 605 Mg. 2 In engem Zusammenhang mit unserer Frage steht der Versuch Phiions und der ihm nahestehenden griechischen Kreise, aus dem Bau der Geschlechtsorgane und der Fürsorge der Natur für die werdenden und neugeborenen Nachkommen eine Sexual ethik zu begründen, die jeden nicht der Zeugung dienenden Geschlechtsverkehr, Abtreibung und Aussetzung als widernatürlich brandmarkt. Man hat diese Anschauungen viel zu einseitig auf die Diatribe zurückgeführt; ich denke eingehend in meinem Buche ״Phiions griechische und jüdische Bildung66 darüber zu handeln und verweise einstweilen auf die Zusammenstellung von von Heyden-Zielewicz, Breslauer Philol. Abh. VIII 3, 47 ff. und auf meinen gemeinverständlichen Aufsatz in der Zeitschrift ״Der Morgen66, Februar 1926. 3 III 66 ff. 4 Ep. 120, 14 ff. 5 In hoc natum hominem, ut vita defungeretur. In dem letzten Wort liegt freilich ein Nebenton von pflichtgemäßen Ableisten, den ich vergebens wiederzugeben gesucht habe.