Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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18 wert. Dies kommt an Stelien zum Ausdruck, an denen wir einen Nachklang poseidonischer Gedanken zu hören glauben : ״wir sind emporgerichtet und zum Anblick der verwandten Himmelskörper aufgerufen“1 oder ״zur Betrachtung des Himmels und zur Verehrung der Götter bestimmt“2; ״wie unser Körper zur Himmelsschau aufgerichtet ist, so ist unser Geist durch seine Fähigkeit, in ungemessene Weiten zu dringen, von der Natur dazu gebildet, Gleiches zu wollen, wie die Götter“3. Wenn diese Stellen einen gewissen Schluß auf Poseidonios zulassen, so ist er sich der rehgiösen Antriebe seiner eigenen Forscherarbeit voll bewußt gewesen, die namentlich seinen geschichtlichen Arbeiten nicht selten einen abergläubischen Zug gegeben haben4. Wie stark auf ihn empirische, wie stark religiöse Antriebe wirkten, ist eine Frage, die sich kaum scharf stellen, geschweige beantworten läßt; sicher aber ist, daß ihm die Wissenschaft nicht bloß Wissenschaft war, sondern Befriedigung des Daimon in uns durch das Verwachsen mit dem Alldaimon, daß also Ciceros Worte5 über die ״unersättliehe Freude, die dem Geiste aus der Erkenntnis seiner selbst und dem Gefühl seiner Verbindung mit dem Gottesgeiste erwächst“, den Gedanken- und Gefühlsgehalt seiner Bestimmungslehre ziemlieh genau wiedergeben. ‘ Ueberhaupt ist unter den ersten Schülern des einflußreichen Mannes eine wesentlicheiWeiterbüdung seiner Bestimmung^- lehre nicht zu erweisen. Wie S a 11 u s t6, so gibt Cicero auch da, wo er frei arbeitet7, nur die uns wohlbekannten Gedanken- 1 Gic. Leg. I 26. 2 Cic. Tusc. I 69 (s. 11.)* 3 Sen. Ep. 92, 30. 4 Den auch Reinhardt S. 96 zugeben muß, ohne ihn freilich aus seinem Gesamtbild ableiten zu können. Aber auch die von Rein ־ h a r d t meisterhaft erforschte Pneumalehre geht, wie anderwärts gezeigt werden wird, aus religiösen Antrieben hervor. 5 Tusc. V 70; Usener, Epicurea LXVII vermutete Poseidonios’ Benutzung. Vgl. auch Sen. Ep. 82, 5. 6 Nach dem Anfang des Catilina müssen alle Menschen danach streben, ihr Leben nicht stumm zu verbringen, wie die Tiere, die die Natur vorgebeugt und dem Leibe fronend geschaffen hat. — Die Natur will also den Lebensinhalt! . 7 Frei gearbeitet ist m. E. Nat. d. II140: die Natur hat den Menschen emporgerichtet, damit er den Himmel anschauen und zur Erkenntnis der Götter gelangen kann. Nach Cato maior 77 ist der himmlische Geist auf die Erde versetzt worden, damit es Wesen gebe, die die Erde schützen und die Ordnung der Himmelskörper betrachten, um sie durch maßvolles Leben (Doppelsinn von *00!10<;?) und Gleichmaß nachzuahmen.