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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 33

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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Aber es erstaunt uns nicht, daß in solchen Abhandlungen, von denen wir wissen, daß sie unter seinem Einfluß gearbeitet sind, von der Bestimmung sehr häufig die Rede ist. Und zwar geschieht es in einem Sinne, der durchaus zu den Voraussetzungen des Poseidonios paßt. So verkündet ein von ihm abhängiger Rhetor des ersten nachchristlichen Jahrhunderts1, daß uns ״die Natur nicht zu einem niederen, unedlen Dasein bestimmte (so auch Panaitios), sondern daß sie uns in Leben und Weltall wie in eine große Festversammlung einführte als Zuschauer und — Mitkämpf er; so pflanzte sie in unsere Seele unmittelbar eine unüberwindliche Liebe zu allem, was groß und göttlicher ist als wir. Deshalb schweifen unsere Gedanken über die Grenzen der Atmo- Sphäre hinaus; und wer von dort die Welt überschauen und die Ueberfülle des Erhabenen und Schönen in ihr erfassen könnte — solche Schau lehrte ihn bald, wozuwir dasind.“ Hier wird mit rednerischem Schwünge der Gedanke des Poseidonios2 umschrieben, daß die Erkenntnis der unlöslichen Gemeinschaft aller göttlichen Wesen, zu welcher die Betrachtung der Sterngötter führt, die Betätigung der Koinonia nach sich zieht. Es ist also nicht reiner Intellektualismus, wenn — nach anderen Stellen zu schließen — Poseidonios unsere Bestimmung zur Betrachtung der göttlichen Gestirne gern betont hat; dieselbe Natur, die das verführerische Edelmetall unserem Auge entzogen hat3, , ,hat unseren Blick zum Himmel emporgerichtet und gewollt, daß wir die Herrlichkeit ihrer Wunderwerke von unseren Niederungen aus betrachten*'4. Denn die wissenschaftliche Arbeit befriedigt hier weder das hellenische Schaubedürfnis, wie nach den Worten des jungen Aristoteles, noch die bloße Wißbegier, wie nach Panaitios und Antiochos5 6, sondern sie hat, soweit sie sich auf Göttliches richtet und dem erkennenden Göttlichen zur Annäherung an das verwandte verhilft, religiösen Selbst- 1 Ilepl u<|>00<; 35, 2: Norden, Agn. th. 104; Jäger, Nemesios 24 f.; Rudberg, Forschungen zu Pos. 134 ff. kommen unabhängig voneinander zu der Annahme, daß Poseidonios benutzt ist; vgl. auch Reit zenstein, Mysterienreligionen 149. Die Polemik gegen deh jungen Aristoteles, den Poseidonios genau kannte, ist natürlich beabsichtigt; 2 Das Folgende nach Cic. Off. I 153 und III 20; Sen. Ep. 92 und 94 f. Näheres an anderer Stelle. * Heine mann, Pos. met. Sehr. 15. 4 Sen. Ep. 94, 56 (dazu Heinemann 170 f.); über den aufrechten. Gang im allgemeinen vgl. namentlich Dickerman, Diss. Halle 1909. 6 Cic. Off. I 13; Fin. V 41.

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