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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 32

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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mit der Rechtfertigung der Religion zu verbinden1. So gewiß er als praktischer Staatsmann und als Forschungsreisender an die Lebensarbeit seines Lehrers methodisch anknüpfte, so trägt doch seine Metaphysik, seine Anthropologie, seine Ethik religiöse Züge, die Panaitios’ Weltbild fehlten, aber in dieser Stärke auch in der alten Stoa und bei dem reifen Aristoteles nicht zu erkennen sind. Sein Gott ist körperlich — aber er übt dieselben mantischen Wirkungen und weckt denselben frommen ״Drang״״, wie die persönlichen Götter des Volksglaubens (während Panaitios ״Pflichten gegen Götter״״ nicht gekannt hatte). Innerhalb des Menschen unterscheidet er den Nus (den er zwar nur als Kraft, nicht als Teil der Seele gelten lassen will, aber doch als Daimon personifiziert) von den — seiner Lenkung unterstellten — niederen Vermögen und dem Körper; wie Sonnenlicht durch Augenlicht, so kann der Weltnus nur durch den verwandten Menschennus erkannt werden2; und wie jedes Erkennen in Wahrheit ein Verwachsen (a6f1<poa1<;) ist3, so hebt uns auch das Gotterkennen aus Erdendust zu höherem Bereich4. Daher ist das Ziel der Ethik stärker intellektualistisch gefärbt, als unseres Wissens bei einem anderen Stoiker: wir sollen ״die Wahrheit und Ordnung des All betrachten״״, uns aber überdies ״keinesfalls herabziehen lassen von dem Vernunftlosen in der Seele5״״; doch hat er sich bestimmter, als man es nach der kurzen Telosformel erwarten würde, zu der Pflicht praktisch-politischer Arbeit bekannt, in seinen Schriften6 und durch die Uebemahme der Prytanie von Rhodos. Aus diesen metaphysischen, anthropologischen und ethischen Voraussetzungen mußte sich bei Poseidonios ein starkes Interesse an der Bestimmungslehre ergeben. Zwar sind uns Aeußerungen über sie unter seinen spärlichen Fragmenten nicht überliefert. 1 Den Empiriker hat Karl Reinhardt (Poseidonios, 1921) glänzend und geistvoll dargestellt — aber unter Verdunkelung der religiösen Züge. 2 Sext. Emp. Math. VII 93; über die Verwandtschaft des Daimon in uns mit dem Alldaimon und über seinen Gegensatz zu dem Niederen in uns vgl. die (von Reinhardt arg vergewaltigten) Fragmente bei Galen Plac. Hipp, et Plat. 469. 3 Doxographi 403 b 12. 4 Ueber das Verweilen des Geistes bei den Gegenständen seiner Betrachtung vgl. Heinemann, Pos. met. Sehr. I 2ל f. 6 Telosformel bei Giern. Al. Str. II 129, 4. Zum Ausdruck aX>j&sta vgl. das oben über Anaxagoras und Aristoteles Bemerkte, aber auch Chrysippos II 913 (Z. 22). 6 de. Off. I 155 schöpft aus ihm.

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