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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 31

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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boren sind“1 2 — wir Menschen im allgemeinen und (wie er im Abschluß an Panaitios' aristokratische und individualistische Lebensanschauung hinzufügte) der vornehme Mensch, der zu Ruhm und Ehre geboren und erzogen ist, im besonderen*. Dies Höhere sieht Antiochos im Handeln einschließlich der Forschertätigkeit3. Und woran erkennen wir dies Höhere? ״Wenn wir Menschen erkennen, wer wirsin d, und was uns von anderen Wesen scheidet, beginnen wir den Zielen nachzustreben, für die wir geboren sind4.“ Hier wird also die Ableitung unserer Bestimmung aus unserem Wesen, d. h. unserer unterscheidenden Eigenart, mit einer Schärfe gefordert, die zwar der peripatetischen Gleichsetzüng von Form und Zweck entspricht5, uns aber bei Aristoteles nicht begegnet war (wo der Logos nicht als das auszeichnende, sondern als das letzt auftretende für die Bestimmung maßgebend wird) und auch in den uns erhaltenen altstoischen Fragmenten so nicht begegnet. Das kann Zufall sein: wir wissen nicht, was z. B. in Zenons Buch über die Menschennatur stand. Aber es scheint doch zu beachten, daß wir in Panaitios' Schule — also bei ihm und seinen beiden Schülern Antiochos und Poseidonios — ein besonders starkes Interesse für die Forderung der Selbsterkenntxns finden6, im Zusammenhänge mit dem bereits angedeuteten Grundgedanken seiner Lebensanschauung, daß jedes Wesen im Rahmen des Ganzen seine Eigenart wahren, der Mensch also nicht nur seiner persönlichen Eigenart, sondern auch seinem Menschentum entsprechend leben soll. Wie Panaitios von hier aus zum Schöpfer des antiken Humanitätsgedankens7 wurde, so war auch die Ableitung unserer Bestimmung aus unserem Wesen in seinem Sinn; freilich ist besonders begreiflich, daß Antiochos, der von seiner skeptischen Vergangenheit her Bedenken gegen die Gewißheit metaphysischer Voraussetzungen beibehalten hatte, erheblich lieber von der Psychologie ausging als von Theologie oder Kosmologie. Poseidonios, Panaitios’Nachfolger als Schulhaupt der Stoa, suchte die aktivistische und empirische Richtung seines Lehrers 1 Cic. Fin. V 21. Ganz Aehnliches steht übrigens auch I 23 und II 113 ff., wo mit Antiochos’ Einfluß zu rechnen ist (U r i, Münch. Diss. 1914). 2 Cic. Fin. V 63. * Cic. Fin. V 58. * Cic. Fin. V 41. 5 Doch s. 0. S. 11. * Heinemann, Poseidonios’ metaphysische Schriften I 69 f. ’ Reitzenstein, Werden und Wesen der Humanität im Altertum, 1907.

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