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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 30

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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״Gottheiten“ der Dichter, der Staatsmänner und gar der Orakelpriester gleichzusetzen.• Allein den Glauben an eine zielsetzende Naturkraft — diese Voraussetzung jeder Bestimmungslehre — hat auch er geteilt und deren Wirkung in den Wundem des kosmischen, zumal des organischen Geschehens, gesehen, gerade weil er — im Gegensatz zu der älteren Richtung — naturWissenschaftlieh interessiert war und an die Ewigkeit der Welt glaubte. Aber die Teleologie des Panaitios ist weder die rein immanente des Aristoteles noch die anthropozentrische d^s Chrysipp; jedes Wesen strebt nach ״Selbsterhaltung im Rahmen der Allerhaltung“, wie der Grundgedanke seiner Naturerklärung wie seiner Ethik lautet1. So ist denn auch der Mensch — vielleicht zur Betrachtung des Kosmos2, jedenfalls aber — ״um des Menschen willen d a, um dem anderen nützen zu können“3. Denn niemand hat dem Menschen soviel genützt und soviel geschadet wie der Mensch4 *. Und ״nicht zu Scherz und Spiel, sondern zu ernsteren und höheren Bestrebungen sind wir geschaffen“6. So gipfeln Metaphysik und Ethik in der Aufstellung einer aktivistischen und pazifistischen Bestimmungslehre. Unter Panaitios״ Einfluß geriet auch ein ehemaliger Anhänger der skeptischen Richtung, Antiochos von Askalon6, der in der Rückkehr zur Sokratik, also zu den gemeinsamen Grundlagen der Stoa und des Peripatos, die rechte Lebensanschauung zu finden glaubte. So lehrte er — an Panaitios, aber wohl auch an Aristoteles7 anknüpfend —, daß wir ״zu etwas Höherem ge- 1 Ueber die Idee der Erhaltung bei Cic. Nat. d. II § 81 ff. vgl. R e i n - hardt, Poseidonios 219, 1; über Panaitios als Vorlage zuletzt Pohlenz, Gott. Gel. Anz. 1922, 168 f. Die innere Zusammengehörigkeit des dort entwickelten Naturbildes und des in Giceros ersten Büchern De officiis aufgestellten Lebensbildes denke ich im ersten Kapitel meines Buches ״Poseidonios״ metaphysische Schriften II“ zu erweisen. Zu obigen Andeutungen vgl. namentlich Off. I § 110. 2 Plut. Tranq. an. 477 C ff. ist Panaitios anscheinend benutzt (Norden, Agn. th. 22), aber kaum unmittelbar (Geffcken, Hermes 49, 333, 4 denkt an Ueberarbeitung durch Poseidonios). * Cic. Off. I 22. 4 Cic. Off, II 16. ß Cic. Off. I 103. Zur \ Kennzeichnung vgl. meine Darstellung a. a. O. I S. 43 ff. und H. Strache, Der Elektizismus des Antiochos von Askalon. 7 Nach einer mutmaßlich von Antiochos abhängigen Stelle (Cic. Fin. II 40) hat Aristoteles gelehrt, der Mensch sei zum Erkennen und Handeln geboren. Einer seiner Schüler (vgl. Cic. Fin. IV 4) bezeichnet die Auffassung des Denkens als einer Art des Handelns als aristotelisch, u. z. mit Recht: Boll, Vita contempl. 6.

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