Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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…/2720904-2721045--026-2726521- Visual Library
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Bestimmungsproblem kommt hinzu, daß die teleologische Forschung zwar Zwecke der Organe, aber nicht solche der O rganismen, erkennen ließ (daß etwa die Pflanzen der Tiere, die meisten Tiere des Menschen wegen geschaffen sind, steht nicht in den naturwissenschaftlichen Schriften, sondern nur an einer ganz isolierten Stelle der Politik l)1; der Zweck aber — Verewigung der Eigenart der Gattungen durch Fortpflanzung und insofern Anteilnahme an der Ewigkeit der überirdischen Wesen — schien weit eher auf eine vitale als auf eine rein theoretische Be- Stimmung hinzuweisen. (Auch der ״Zweck“, der Phys. II 7 mit der Form gleichgesetzt wird, ist natürlich immanent gemeint.) Damit wurde die Konvergenz der drei Wege beseitigt: das ethische Ideal findet weder in den Anwendungen der teleologischen Methode noch in den metaphysischen Voraussetzungen seine Rechtfertigung. Aristoteles konnte über diesen Mangel um so eher hinwegsehen, je stärker sich sein Interesse den Problemen philosophischer Natur- und Geschichtsbetrachtung zuwandte und je weniger ihm an der Aufstellung eines einheitlichen Lebenszieles für alle Menschen lag. Während aber in der Folgezeit seine Fragestellungen bei den Empirikern mächtig fortwirken, wendet sich das Interesse der Philosophenschulen gerade den Fragen der menschlichen Lebenshaltung zu. Auf die von dem jungen Aristoteles gestellte Frage nach dem ״Telos“, dem letzten Ziel unseres Strebens, gehen alle ein: Stoiker, Epikureer und — in ihrer Weise — die Skeptiker. Aber nur die Stoa hatte die metaphysischen Voraussetzungen, um eine Bestimmungslehre aufstellen zu können. Denn die Metaphysik der Stoa knüpft nicht an den ״unbewegten Beweger“ des Aristoteles an — von hier aus hätte sich, wie wir wissen, eine Bestimmungslehre kaum aufstellen lassen —, sondern an den Natur begriff, den sie mit dem Gottesbegriff der Religion, insbesondere der Dichtung, der Mantik und des Kultus, gleich zu setzen sucht. Dieser Begriff einer schaffenden Gottheit, der freilich griechischen Begriffen von vornehmer Lebenshaltung stark zuwiderlief, ermöglichte es ihr, die Zielstrebigkeit der Organismen als Zeugnis göttlichen Willens aufzufassen und dadurch sowohl den kosmologischen Gottesbeweis des jungen Aristoteles wie dessen Bestimmungslehre grundsätzlich zu rechtfertigen, ja, beiden durch die Beobachtungen des späteren Aristoteles neue Stützen zu geben. Sie konnte es umso mehr, da sie den Sinn dieser teleologischen Forschungen ganz 1 1256 b 15 fl.