Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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und Lebensbild des jungen Aristoteles einheitlich in der Lehre von unserer Bestimmung zur Theorie; die theoretische Methode rechtfertigt den Glauben an den theoretischen Lebensinhalt. Nur ist natürlich die Theorie des jungen Aristoteles deutlich von Platons Episteme und erst recht von der späteren Gnosis zu scheiden. Noch hat Aristoteles den ״Von außen eintretenden“ Nus nicht, wie später in den Lehrschriften, von der Gesamtseele gesondert; zu jenem höheren Seelenleben, das den Menschen nach unserer Stelle auszeichnet und in dessen Entfaltung seine Bestimmung gesucht wird, gehört durchaus das Schauen, wie das Bild von der Festversammlung zeigt — aber freilich ein Schauen, dem sich im Sinnlichen das Gedankliche, ini Wandel der Himmelskörper — zum dritten Male verdient die Uebereinstimmung mit Anaxagoras vermerkt zu werden — die ״Wahrheit"1 des All offenbart. Aus der teleologischen Methode und dem t h e oretischen Lebensideal des A n a x a g o r a s ist also die Bestimmungslehre des Jünglings Aristoteles erwachsen. Wenn aber der Mann an beidem festhielt, das Schlagwort ״theoretisches Leben“ erst prägte, in der theoretischen Eudaimonie das höchste sah und den Wundem des organischen Lebens höchste Aufmerksamkeit widmete — wie erklärt es sich, daß sich in den ethischen Schriften der Mannesjahre keine Bestimmungslehre mehr findet? Die Frage steht auf gleicher Linie mit jener anderen: weshalb in jener Zeit unbeschadet der Zunahme des biologischen Interesses der kosmologische Gottesbeweis2 * * * * * für Aristoteles seine Bedeutung — wenn nicht seine Gültigkeit — verliert. Die . Antwort auf beide Fragen ist, daß eben das theoretische Ideal in Verbindung mit der Nötigung, Gott als Träger des höchsten Wertes zu denken, ihn zu dem Begriffe eines Gottes führte, der sich lediglieh im Denken, nicht im Schaffen und Zielesetzen, befriedigt, — damit aber den Weg von der Natur zu Gott versperrt8. Für das 1 'Ahrflkia: Anaxagoras Fg. 29 f. Diels; für Aristoteles vgl. Jamblich 54, 4 und bezüglich der späteren Schriften E u c k e n , Methode der aristotelischen Forschung 30. 2 Aus einer Jugendschrift stammt Fg. 10 Seit. Math. IX 22, wo zwar nur von der Entstehung des Gottesglaubens die Rede ist, aber ebensowenig wie noch in der älteren Stoa zwischen Erklärung und Rechtfertigung des Glaubens geschieden wird. *Den Uebergang des Aristoteles von der Annahme eines göttlichen Weltgeistes zum Begriff der cpuat; bespricht auch T h e i 1 e r S. 84.