Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1925 (1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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8 mag nun das Objekt dieses Denkens der Himmel oder etwas;anderes sein. In jedem Falle gehört das Denken nicht zu den ״notwendigen Dingen“,' die wir nach ihrem Nutzen einschätzen, sondern zu den ״Gütern“, die ihren Wert in sich selbst tragen: auch auf den Inseln der Sehgen, wo alle Behelfe der Notdurft ihren Sinn verlieren, würden wir auf das Denken nicht verzichten wollen. Wenn wir nach Olympia fahren, nur um der Augenweide willen, so trägt die Betrachtung der Natjir und ihrer Wahrheit doch gewiß ihren Lohn in sich selbst. — Die Bearbeitung des Iamblichos, in der wir diesen Gedankengang lesen, gestattet uns leider keinen Schluß auf die Fassung der Einzelheiten bei Aristoteles. Insbesondere aus der Anführung der Antworten der älteren Philosophen darf nicht gefolgert werden, daß er etwa dem Pythagoras und Anaxagoras die klare Frage- Stellung nach dem Zweck des Menschen zugeschrieben hätte. Von letzterem sagt er in der Eudemischen Ethik1, die man nun mit Jäger und von Araim2 als ein Jugendwerk anzusehen hat, er habe auf die Frage, weshalb er dem Leben den Vorzug vor dem Nichtleben gebe, geantwortet: der Himmelsbetrachtung wegen. Aristoteles wußte also, daß er nur nach dem Werte des Lebens fragte. Von Pythagoras wird er eher weniger als mehr ausgesagt haben. Sein Studiengenosse (wenn auch nicht Studienfreund) Herakleides3 vom Pontos wußte zu erzählen, daß Pythagoras bei den Besuchern der Olympischen Spiele die Ehrgeizigen, die Krämer und die Beschauer unterschieden habe; und nicht nur die vergleichsweise Heranziehung der Olympien, auf die Jäger hinwies, sondern auch die Unterscheidung der nützlichen Ziele von den Selbstzwecken läßt das bei Aristoteles folgende als bewußte Weiterbildung dieses Gedankenganges erscheinen. Aber hätte er dem Pythagoras außer der richtigen Antwort auch die richtige Fragestellung zugetraut4, so wäre kaum zu verstehen, weshalb er in der Ethik nur Anaxagoras erwähnte. 1 1216 a 12 ff. 2 Die drei aristotelischen Ethiken; Sitzungsberichte der Wiener Akademie 1924. 2 Cic. Tusc. V 8 ff. 4 Jäger bemüht sich vergebens, Aristoteles zum Anhänger der Pythagoraslegende zu machen (S. 99). Nicht Pythagoras, sondern die Pythagoreer haben nach Met. 987 a 30 auf Platon gewirkt. Aristoteles wird die Geschichte höchstens mit dem Vorbehalt eines cpaat gegeben haben. [Inzwischen hat von Arnim in der erwähnten, durch die Freundlichkeit des Herrn Verfassers mir während des, Druckes zugegangenen Abhandlung die Echtheit der großen Ethik wahrscheinlich