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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1926-01-01 · 1925 (1926) · page 23

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1925 (1926)
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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IRI
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7 unserer gesamten Handlungsweise1. Aber zu einer Bestimmungslehre kommt es hier noch nicht. Nirgends wird dies Ziel als eine dem Menschen von einer höheren Autorität gestellte Aufgabe gefaßt. Ja, es wird selbst mehr angedeutet als bezeichnet: die Wissenschaft ist für seine Findung grundlegend; ob es aber mehr wissenschaftlicher oder ethisch-praktischer Art ist, bleibt offen; so gewiß sich die Ziellehre bereits bei Sokrates an die Selbstbesinnung anlehnt, so kommt es doch anscheinend nicht zu klarer Ableitung des eigentümlich menschlichen Sollens aus der Eigenart unseres Seins. Daher konnte die griechische Bestimmungslehre zunächst nicht an Platon anknüpfen: erst im späten Altertum und im Mittelälter gelangt vor allem der religiöse Zug seiner Ethik, gelangt die Forderung, ״Gott nach Möglichkeit ähnlich zu werden", zu weitreichender Bedeutung. Die erste Schrift, in welcher wir unsere Fragestellung finden, ist eine Jugendschrift des Aristoteles. Denn wir wissen jetzt2, daß das IX. Kapitel in Jamblichs Protreptikos einen Auszug aus dem verlorenen Protreptikos des Aristoteles darstellt. Hier finden wir folgenden Gedankengang: Die Werke menschlicher Technik, wie z. B. Häuser, haben sämtlich einen Zweck. In weit höherem Grade gilt das von den Werken der Natur. Denn es ist nicht richtig, daß sich in der Natur Ansätze zur (menschlichen) Technik fänden: vielmehr ist umgekehrt jede Technik nur eine Nachbildung der Natur. Welches ist demnach der Zweck des Menschen, ״dessen t willen Natur und Gott ihn erzeugt haben"? Pythagoras hat auf diese Frage geantwortet: um den Himmel zu betrachten; von sich selbst sagte er, er sei ein Betrachter der Natur und zu diesem Zweck ins Leben eingetreten. Auch Anaxagoras soll auf die Frage, weshalb man das Sein und das Leben (dem Nichtsein) vorziehen solle, geantwortet haben: ״um den Himmel, die Sterne rings an ihm, die Sonne und den Mond zu betrachten". In der Tat ist das Ziel (r&oc) der Dinge dasjenige, das zuletzt in die Erscheinung tritt; beim Menschen ist dies das Seelische; also ist die Denkfähigkeit unser Ziel, und das Denken das letzte, um dessentwillen wir da sind. So weit hat also Pythagoras Recht — 1 Platon sagt meist oxoicoc, selten ziXoq,: vgl. Jäger, Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 1913, 701, 1, dessen Darstellung auch das Folgende manches verdankt; vgl. S. 700 über Selbstbesinnung bei Sokrates, 701 unten über die Andeutung des Zieles bei Platon, 702 über Teilziele und Einheitsziel, 703 über Wissenschaft. 2 Jäger, Aristoteles (1923) 75 ff.

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